Kolumne 2/2020: Über Arztbesuche, Angst und das neue Altertum

Flach, aber wahr: Corona ist in aller Munde. Ich schreibe also heute über meinen Arztbesuch. Ich war nämlich neulich nicht beim Arzt, und das kam so:

Vor ein paar Wochen habe ich einen kleinen, aber seltsamen Fleck auf meinem Bauch entdeckt. Ich ahnte noch nicht, dass sich dieser Fleck vergrößern und, schlimmer noch, vermehren würde zu einem Imperium krankhaft geschuppter, rotgeränderter Riesenflecken. Also wiederholte ich mein Verhalten, das ich, krank und beschämt, schon von mir kenne, und es ist ein bisschen wie die fünf Stufen der Trauerbewältigung.

 

Die Verleugnung

 

Zuerst kommt die Verleugnung. Ich versuche, den kleinen Fleck zu ignorieren, das klappt so weit ganz gut. Zwei Wochen später erblicke ich eben beschriebenes Ausmaß und denke mir: Klappt doch nicht so gut. (Okay, eigentlich denke ich nur: “Scheiße!”, und auch: “Jetzt muss ich das mindestens meinem Freund erzählen, oh Gott, und zum Arzt, oh Gott!“)

Wir sehen, das Stigma der Hautkrankheiten trifft mich hart, mein Selbstwert schafft neue Negativrekorde und mein Selbstbild… man erinnere sich an The Shining, genauer: an die Frau in Raum 237. Das bin ich, zumindest in meinem Kopf, gegenüber meinem Freund. Der reagiert übrigens äußerst gelassen, wenn auch leicht besorgt – er ist recht vernunftbegabt. Seine liebe Reaktion allein hilft mir und ich merke: Exposition kann Scham lindern – wenn man nicht gerade auf Arschlöcher trifft.
Apropos Arschlöcher: Seit ich mich mit meinen Flecken geoutet habe, habe ich im Freundeskreis schon zwei Stories zu Hämorrhoiden gehört. Anscheinend sind wir jetzt eine große Anti-Ekel-Selbsthilfegruppe.

 

„Kommt da schwarze, stinkende Flüssigkeit raus?“

 

Natürlich teile ich meine Gefühle von Scham und Ekel auch meiner Schwester mit. Sie fragt:“Kommt da schwarze, dickflüssig-klebrige, übelriechende Flüssigkeit raus?”, was mich direkt denken lässt, das dass das nächste Stadium der Krankheit sei, das ich unweigerlich bald erreichen werde.

Man sieht, meine Angst greift sich alles, was mich milde beunruhigen könnte – und zerrt daran, bis sie es fest in der Hand hat. Verstört antworte ich also meiner Schwester auf ihre mittelmäßig hilfreiche Frage: “Was? Nein!”, woraufhin sie mir sagt: “Dann hör auf, dich zu ekeln!”
Das hilft mir dann tatsächlich ein bisschen und ich merke: Humor ist manchmal doch ‘ne brauchbare Hilfe (und Übertreibung ein unterschätztes Stilmittel).

 

Die Akzeptanz und die Depression

 

Mit all dieser lieben Unterstützung erreiche ich automatisch die nächste Stufe: Ich akzeptiere so langsam, dass ich Flecken habe, und natürlich informiere ich mich nun auch. Ich google also – wie immer und wider besseres Wissen – meine Krankheit und erhalte online prompt meine nächste Krebsdiagnose – oder Borreliose – jedenfalls nichts Schönes. Hautkrankheiten sind nämlich nichts Schönes.
Im schlimmsten Fall beginnt die ganze Chose jetzt erst einmal von vorne, weil ich ja eine neue Krankheit habe, die ich bis dato nicht gar nicht gesehen hatte. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich sie gar nicht habe, aber so viel Vernunft habe ich gerade leider nicht übrig.

 

Willkommen in der Zukunft

 

Als ich am selben Punkt wieder rauskomme, an dem ich ja irgendwie gerade eben schon mal stand, sehe ich mich dann doch zum Handeln gezwungen. Ich rufe meine Hausärztin an und erhalte einen Videotermin. Den ersten, den die Frau jemals machte, es ist ein historischer Moment für uns beide: Für sie, weil sie nicht mehr so viele keimversiffte, kranke Patienten sehen muss. Für mich, naja, dasselbe. Warten im digitalen Wartezimmer ist wahrlich der Himmel: Kaum Wartezeit, meine eigene Lektüre – nie mehr BRIGITTE oder auto motor und sport – und vor allem keine weitere Ansteckung beim Arztbesuch. So! Much! Wow! Willkommen in der Zukunft.

Und wie es häufig ist, wenn man ein Stück Zukunft geschnuppert hat, verstehe ich  plötzlich die Vergangenheit nicht mehr: So wie ich nicht verstehe, dass man seine Kacke aus dem Fenster auf die Straße kippt, so verstehe ich nicht, wieso ich im realen Wartezimmer nochmal Platz nehmen sollte. So wie ich nicht verstehe, dass man Bücher von Hand abschreibt, um sie zu kopieren, so verstehe ich nicht… ihr versteht schon. Ich verstehe jedenfalls nicht so ganz, wieso wir jetzt Corona gebraucht haben, um unseren Gesundheitskram zumindest teilweise digital zu gestalten.

 

Die Verzierungen der P. Rosea

 

Um nun zu guter Letzt meine schlimme Krankheitsstory in Wohlgefallen aufzulösen: Sie ist ungefährlich, nicht ansteckend und geht von selbst wieder weg. Pityriasis rosea ist der malerische Name der Verzierungen, die ich nun wohl noch eine Weile tragen werde.

Kolumne 1/2020: Über Pappe, Avocados und den Weltuntergang

In einem Einkaufszentrum in meiner Stadt gibt es einen neuen Hipster-Pommesladen. Er nennt sich irgendwas mit Fritten (ist ja klar). Mein Freund wollte ihn neulich unbedingt aus der Nähe betrachten. Also sind wir hin und gafften eine Runde: er auf die Pommes, ich auf die Aufmachung des Ladens.

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Der Weg zum reinen Gewissen: Papiertüte und Avocado

Nicht wirklich positiv beeindruckt mich dabei die Naturähnlichkeit, die man seit drei Jahren überall findet. Die Tische sind aus irgendwas, was aussieht wie Massivholz, die Pommesschalen sind aus (Einweg-)Pappe, und so weiter. Das allein macht mich natürlich direkt wieder ein bisschen wütend: Diese ganzen Konsumopfer, die sich ihr reines Gewissen nur kaufen können, weil sie keine Ahnung haben, dass Einwegpapierprodukte auch bloß scheiße sind, sollen sie doch verrecken in dem Müll, den sie machen, blablabla, so rattert mein Gehirn. Zugegeben, ich musste auch vorher schon die Einkaufsmeile überqueren und wir stehen gerade gegenüber des Primark-Haupteingangs. Meine Nerven sind also überreizt und finden jetzt alle pauschal ziemlich blöd.

 

„Es gibt jetzt Fleisch mit CO₂-Ausgleich!“

 

Solche Situationen kenne ich gut, und deshalb weiß ich auch, was mir dann hilft: Ablenkung. Ich beginne also, die Karte zu studieren. Mittlerweile ist mein Freund da auch angekommen, er sagt:“ Guck mal, die wollen 3,80€ für ’ne Portion Pommes! Schade…“ und ich komme gar nicht drauf klar, dass man so wenig Kartoffeln für so viel Geld verkaufen kann, aber vielleicht sind ja die Beilagen der Hit. Ganz bestimmt sind sie das.

 

Der Laden preist auf der Karte auch noch Bowls an, er scheint die gesamte Hipsterie mitzumachen, die Deutschland kulinarisch befallen hat. Eine Bowl sticht mir besonders ins Auge, beinah erblinde ich: Fried Chicken & Avocado, wow. Ich höre mich zu meinem Freund sagen:“Cool, es gibt jetzt Fleisch mit CO₂-Ausgleich!“, weil Hähnchen das Tote-Tiere-Produkt mit der geringsten CO₂-Emission ist und Avocados extra eingeflogen werden. Mein nächster Gedanke ist nur, das ist so geistreich, das schreib ich mir auf. Allerdings fiel mir zu dem Zeitpunkt noch nicht auf, dass ich den Witz dann erklären würde, und er dann nicht mehr lustig wäre. Hier ist er trotzdem – bittesehr!

 

Wir sind doch alle nur Kinder, die mal ihren Spaß haben wollen!

 

Als wir aus dem Einkaufszentrum raus wollen, zeigt mein Freund auf eine Szene im Eingangsbereich. Es tummeln sich zwei Kinder, genauer: Sie rollen die Rampe runter, die eigentlich barrierefreies Shoppen ermöglichen soll. Ihr Vater steht daneben und blickt teils resigniert, teils desinteressiert in die Gegend, aber er schimpft  nicht – er lässt die Kinder einfach machen. Und die haben richtig Spaß!
Der Anblick der rollenden Kinder versöhnt mich unmittelbar mit allen Menschen im Universum. Sind wir doch alle nur Kinder, die mal ihren Spaß haben wollen!

Nur mein chronisch angepisster Öko-Anteil hält weiterhin dagegen: Die Kinder sind ja grade niemandem im Weg und schaden höchstens sich selbst – aber was, wenn gerade jemand den barrierefreien Eingang benutzen möchte? Oder wenn jemand über sie stolpert, und sich dadurch verletzt?

Ich bin mir sicher, dann würde der Vater aus seiner Trance erwachen und die Kinder sachte, aber doch bestimmt zur Ordnung rufen. Jetzt hoffe ich nur, dass das mit dem Pommes-Hipstern auch noch irgendwer macht.

Über Vorurteile und Schmarotzertum

Ich habe Vorurteile. Gegenüber allen Menschen, die ich treffe. Diesen unschönen Wesenszug habe ich vor kurzem erst so richtig entdeckt. Ich habe nämlich noch einen weiteren: Schmarotzertum. Ich fahre bei fremden Leuten im Auto mit, ohne mich über eine dieser Apps anzumelden, also auch, ohne Geld zu zahlen. Dafür bezahle ich in Mirabellen, die ich wiederum irgendeinem halbtoten Landstrich im Osten geklaut habe. Da beschwer sich nochmal einer über kriminelle Ausländer.

Womit wir, liebe Leser, wieder beim Thema wären: (Ich trampe und) ich habe Vorurteile. Zum Beispiel gegenüber Anzugträgern, denn die nehmen uns ja eh nicht mit. Besonders, wenn man wie ich am dritten Reisetag schon ein wenig verwahrlost aussieht. Als ich mich aber dazu durchrang, mal einen solchen anzusprechen, lächelte der mich an: „Kommt, steigt ein!“ Ihr, das sind in diesem Fall: mein Freund und ich.

Die kalte Menschmaschine

 

Als wir bei ihm mitfahren, sprengt er dann ungefähr alle weiteren Vorstellungen, die ich von ihm und seinem Leben habe: Er unternimmt coole Campingtrips mit seinen Kindern, backt sein eigenes Brot und kümmert sich obendrein um ein ganzes Bienenvolk, das er in seinem Garten angesiedelt hat. Die kalte Menschenmaschine verwandelt sich vor meinen Augen in eine fürsorgliche, sympathische Person, deren einziger Fehler darin besteht, wie sie auf der Autobahn beschleunigt (nämlich zu stark).

Der Anzugträger ist längst nicht der Einzige, über den ich vorschnell urteile. Da wäre noch der Deutschrusse mit starkem Akzent und dickem BMW, den er uns als „die Kutsche vom Vatter“ vorstellt.  Obwohl kaum älter als wir, will er uns unbedingt Geld geben und dann noch Essen (ich sagte ja: ich sehe verwahrlost aus). Wir lehnen ab, aber ihm geht es um die gute Tat des Teilens an sich – das sei Philosophie, erklärt er uns.

Bone Crusher

 

Größeren Schrecken erlitt ich bei einer anderen Mitfahrgelegenheit: Als ich mich auf die Rückbank setze, erblicke ich einen Baseballschläger im Sitz vor mir. Der Schläger trägt die Aufschrift bone crusher, zu Deutsch: Knochenbrecher. Mir wird etwas mulmig, aber ich beruhige mich damit, dass ich im Zweifelsfall den Schläger besser erreiche als unser tätowierter Fahrer. Der fährt für uns extra einen Umweg und gibt uns am Ende noch Süßigkeiten. Ja, wir haben die gegessen. Nein, wir sind nicht gestorben. Hinterher fiel  uns nämlich auf: Ein ganz anderer Stereotyp passt zwar sicher auch nicht genau, aber deutlich besser: Der amerikanophile 50er-Jahre-Typ, erkennbar an seinen Tattoos, dem Baseballzubehör, sowie seinem Kofferraum voll Beef Jerky und Milky Way.

Als letztes Beispiel soll ein Mann dienen, der uns siezte und zunächst forderte: „Beschreiben Sie Magdeburg in drei Sätzen!“ Wir fühlten uns wie beim Bewerbungsgespräch und erfuhren weiter: Der Typ segelt. Für mich ist das der Inbegriff der Spießigkeit, fehlte nur noch, dass er uns mit Golf und Aktien zulabert. Stattdessen wandte sich unser Gespräch um neunzig Grad: ums Segeln ging es immer noch, nun aber auch um alternative Ansätze, in Gemeinschaft zu leben. Der Mann lobpreiste geradezu unsere Zukunftspläne und empfahl meinem Freund, für einige Zeit in ein Auto zu ziehen (was der sowieso vorhatte). Er war total interessiert und konnte selbst spannend erzählen. Beim Aussteigen stellten wir fest: Das muss wohl die coolste Fahrt auf unserer Reise gewesen sein.

Schweißgebadet nach Schwäbisch-Hall

 

Kurioserweise verlief die schlimmste Fahrt genau umgekehrt. Einem positiven Eindruck – es lief Deutschlandfunk Kultur – folgte eine in vielerlei Hinsicht schweißtreibende Fahrt. Der Fahrer, der, so dachten wir, ein ruhiger Typ zu sein schien, zeigte im Auto seine wahre Schnauze: Er motzte nur so vor sich hin und überholte vor Kurven und Anhöhen gleichermaßen. Beinahe schlimmer fand mein Freund allerdings, dass wir ohne Lüftung bei dreißig Grad in dem Auto saßen. Als er den Fahrer fragte, ob wir mal lüften könnten, ließ dieser die Fenster herunter – um sie direkt wieder zu schließen. Als wir ausstiegen, sahen wir: Der Fahrer war genauso klatschnass wie wir. Wir dankten ihm artig und sahen zu, dass wir wegkamen – nur, ob uns jetzt noch wer mitnähme, bei dem Geruch?

 

Ich nehm‘ keine Anhalter mit!

Viele Autofahrer fürchten übrigens genau das: Dass wir stinken. Ich habe nämlich nicht nur bei mir selbst Vorurteile gefunden. Auch die Autofahrer haben viele Raster, Filter und Schubladen, durch die sie uns hindurch- oder hineinzwängen wollen. Einen alten Ossi konnten wir dabei überraschen. Nach zwei Stunden gemeinsamen Fahrens gestand er uns freudig: „Wenn ich dat ma so saaren darf: ick rieche euch noch nich!“
Ein anderer Mann sagte zu meinem Freund: „Ich nehm keine Anhalter mit“, aber als er mich sah, überlegte er es sich anders. Als Freund eines zarten Wesens wie mir wirkte er scheinbar weniger bedrohlich, zuvor hatte der Mann sich wohl ausgemalt, wie gefährlich ihm der allein reisende Kerl mit den langen Haaren werden könnte – womöglich hat er ein Messer dabei? Aber nein, da ist ja noch ‘ne Frau mit bei, hat also doch kein Messer. So oder ähnlich funktioniert wohl unser Gehirn, wenn wir Menschen einordnen wollen, und siehe da: Es passieren dadurch einige Fehler. (Ich hatte nämlich ein Messer dabei. Fürs Essen, wohlgemerkt.)

 

Kommt zusammen, Leute, lernt euch kennen!

– Rio Reiser

 

Indem wir auf die Autofahrer trotzdem zugegangen sind, konnten wir solche Fehler schnell ausmerzen und sie kennenlernen – und das hilft ungemein gegen den Hang zum vorschnellen Urteil! In den allermeisten Fällen wurden wir dabei positiv überrascht. Viele haben wir aber tatsächlich gar nicht erst gefragt – aus Angst, dass sie uns eh nicht mitnehmen. Manche sogar aus Angst, dass sie uns mitnehmen.

Überhaupt spielt Angst auf beiden Seiten die wohl größte Rolle, was Vorurteile angeht. Sie verhindert ein Kennenlernen. Und umgekehrt lässt Kennenlernen Ängste schwinden.

Um den Autofahren ihre Angst frühzeitig zu klauen, habe ich mir für die nächste Tramptour was ausgedacht: Ich mache ein Schild, das statt des Reiseziels die Aufschrift trägt: „Ich hab mehr Angst vor dir als du vor mir!“, und vielleicht in kleinerer Schrift darunter: „Und ich habe heute schon geduscht.“

Der Patscherkofel

Über Alpen, Abenteuer und Abfuck

Iris und ich, wir kennen uns gegenseitig sehr gut. Und wir kennen uns auch jeweils selbst gut genug um zu wissen: Wenn wir nicht am ersten Urlaubstag ’ne fette Wanderung hinlegen, dann nie. Begnadete Wanderer sehen anders aus.

So informieren wir uns direkt nach unserer Ankunft in Igls und werden auch schnell fündig: Der Patscherkofelweg (rote Sterne) soll es sein. Wanderwege, Aussicht, nur 9,7 Kilometer – die allerdings steil nach oben. Denn die zu erklimmenden 1130 Höhenmeter ergeben auf dieser Strecke eine durchschnittliche Steigung von zwölf Prozent. Egal, denken wir uns, schließlich können wir hinterher mit der Seilbahn wieder runterfahren.

wanderkarte patscherkofel

Am nächsten Morgen stehen wir also 6:30 Uhr auf, nehmen noch ein üppiges Frühstück ein und begeben uns dann gen Berg. Das Wetter ist wunderbar, klare, kühle Luft, die einen Sommertag schon im April verspricht.

 

 

Abzweigungen verwirren uns kaum, und so folgen wir den Wanderschildern, die extra olivgrün uns den Weg weisen. Das ist auch notwendig, denn allein am Berg orientieren ist, gelinde gesagt, nicht unsere größte Stärke. Wir treffen zudem auf dem Weg nach oben kaum eine Menschenseele. Nur eine Frau mit Hund begegnet uns, sie sei eben nach Heiligwasser (hellgrüner Stern) gelaufen, ob wir wohl ganz hoch wollen? Das süße Felltier (nicht die Frau; den Hund!) streichelnd bejahen wir. „Fein!“, sagt die Frau in östergereichertem Deutsch und wünscht uns noch einen schönen Ausflug. Sie wirkt gar nicht zynisch, während sie das sagt, und doch hätte sie uns warnen können vor dem, was oben auf uns wartet. Sie ist der letzte Mensch, mit dem wir auf dem Patscherkofel sprechen.

 

 

Wir finden zauberhafte Gewächse

 

 

 

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Acker-Schachtelhalm

Es gibt aber viel mehr als nur Österreicher zu entdecken: Wir finden eine Wiese, die von seltsamen Pilzen bewachsen ist. Meine erste Hoffnung sind spitzkegelige Kahlköpfe, die gern auf Kuhweiden sprießen, aber bereits ein weiterer Blick verrät, dass dem so nicht ist. Wir fotografieren die Pilze also, um später herauszufinden, was das war, und siehe da: es sind keine! Die Pflanze, die so aussieht, nennt sich Acker-Schachtelhalm und wächst auf unserer Erde schon seit Urzeiten. Ich finde es immer spannend, solche vegetatorischen Zeitreisen zu unternehmen, und sie sollen noch kein Ende haben: Auch Moose und Farne, die ebenfalls die Dinos schon gesehen haben, zieren den Patscherkofel und seinen Wald. Besonders schön finde ich, wie die Moose kleine Wälder bilden, in ganz verschiedenen Farben, und Iris kann kaum fassen, wie die Farne sich entrollen. (Video; schaut es euch an!)

 

 

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Während wir diese ganzen alten Pflanzen auf so uraltem Gestein betrachten, fällt mir auf, wie jung wir eigentlich sind. Nicht nur Iris und ich, sondern wir als Menschheit, als Spezies. Und führt uns der Weg aus dem Wald hinaus, so erblicken wir eine atemberaubende Aussicht, die Nordkette. Wie klein man sich fühlt inmitten von Bergen. Erst hier wird jedem völlig klar, wie winzig wir sind, wie nichtig, wie jung. Und längst nicht so anpassungsfähig wie unser Freund, der Acker-Schachtelhalm.

 

Er wächst und beschwert sich nicht

 

 

Der kann nämlich vom arktischen bis zum mediterranen, vom ozeanischen bis zum stark kontinentalen Klima alles ertragen: Er wächst, und er beschwert sich nicht. Ganz im Gegensatz zu uns: Obwohl unser Aufstieg gemütlich und ohne Eile vonstatten geht, beginnen unsere Muskeln und Knochen langsam zu ächzen. „Noch drei Kilometer!“, sagt uns ein Schild, als wir den ersten richtigen Schnee finden. Meine Freude ist riesig, schließlich gibt es in meinem Studienort den gesamten Winter über niemals Schnee. Eigentlich gibt es da nicht mal Winter, nur langen, langen Herbst.

 

 

Je höher wir steigen, desto Winter, das erkennt man auch an der Vegetation. Wir können unseren Fortschritt ebenso gut daran erkennen, dass es in jeder Serpentine, die wir passieren, mindestens einen Aussichtspunkt gibt. Irgendwann taucht hinter ein paar Hügeln eine Siedlung auf und wir rätseln darüber, was das wohl ist. Zwei Serpentinen weiter ist die Siedlung zu einer großen Stadt herangewachsen, an deren Namen kein Zweifel besteht: Es ist Innsbruck. Seine Häuser und Straßen sehen aus wie Modelle; alles wirkt so überschaubar.

 

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Blick auf Innsbruck vom Patscherkofel            © Martin Furtschegger

 

Über den Wolken (ai ai ai) muss die Freiheit wohl grenzenlos sein„, denke ich und kriege einen Ohrwurm. Ich bete, dass Iris mich nicht vom nächsten Aussichtspunkt schubst.

 

 

 

Eine letzte Rast

 

Mittlerweile sind wir ziemlich fertig. Daher kommt uns die Lanser Alm (oranger Stern) sehr gelegen. Wir machen dort eine kleine Pause und essen ein wenig, bevor wir uns hoffnungsfroh dem übrigen Stück Weg zuwenden. Es sind steile Serpentinen durch den Wald, die uns erwarten. Der Pfad wird nur von Wurzeln gehalten, und ein bisschen erinnert dieser restliche Abschnitt mehr ans Treppensteigen denn ans Wandern. Die letzten Meter sind die schlimmsten, denke ich, aber dann haben wir’s geschafft, und Iris geht es wohl ähnlich. Wir sind näher am Abkratzen, je länger wir aufsteigen, und dennoch erfüllt uns der Gedanke an eine baldige Ankunft mit Glück.

 

Aber die gibt es nicht. Stattdessen gibt es: keinen Weg mehr; einen Hang voll Schnee, so weit und steil, dass er für uns unüberquerbar ist; die Erkenntnis, dass wir wohl die Schneegrenze überschritten haben; die Erkenntnis, dass wir nicht weiter kommen.

 

„Ja, scheiße.“

 

So schnell ging das mit der Erkenntnis allerdings nicht: Iris testet erst einmal vorsichtig, ob man nicht doch irgendwo entlang kommt – ich mache mir unterdessen fast in die Hose bei dem Gedanken, dass sie abrutscht; denn vom Aufstieg sind unsere Beinmuskeln schon ordentlich malträtiert und melden sich nun mit nervösem Zittern. Ich schreie Iris an: „Komm wieder her, das wird nix!“

 

Wir trinken was, essen einen Apfel. Wir überlegen, uns mit dem Kalkül abzustürzen weiterzubewegen – die Nummer der Bergrettung habe ich noch beim Frühstück recherchiert. Soll das umsonst gewesen sein? Und: soll der gesamte Scheißaufstieg umsonst gewesen sein? Hysterie macht sich in mir breit: Ich beginne zu lachen. „Das ist so typisch“, sagt eine von uns. „Ja,“ sagt die andere, „scheiße.“

 

Da wir den weiteren Weg nicht sehen, obwohl er ja direkt vor uns liegen müsste, vermuten wir ihn irgendwo im Schnee. Um uns aber sicher zu sein, wollen wir gern nachschauen, und Iris schmeißt Google Maps an. Wir sind erstaunt, dass das auf dem Berg funktioniert, und finden heraus: Bis zu unserem geplanten Ende dieser Wanderung sind es noch 700 Meter und kaum Höhenmeter. Wir kommen trotzdem nicht weiter, und dieses Wissen um unser nur knapp verfehltes Ziel ist eine Bürde ohnegleichen.

 

„Umzukehren und abzusteigen ist eine der schwierigsten Entscheidungen in den Bergen. Vielleicht die schwierigste überhaupt. Ich habe lange gebraucht, bis ich das gelernt habe.“ Hans Kammerlander

(Demnach sind wir schon richtige Profis.)

 

 

Wanderausflug mit Koprolalie

 

Danach erfolgt nur noch der Abstieg. An der Lanser Alm kommen wir erneut vorbei und essen dort unser gesamtes mitgebrachtes Essen auf. Des Weiteren schimpfen wir auf den Berg, auf den Weg, auf die Schilder, auf die Frau mit Hund; am Ende schimpfen wir vor allem auf unsere Knie- und Hüftgelenke, die uns den Abstieg gar nicht danken. Käme uns bei diesem Marsch jemand entgegen, so hielte er uns wahrscheinlich für einen Wanderausflug mit Koprolalie: „So eine verdammt blöde Arschlochscheiße an diesem hässlichen Hurensohn von einem Berg!“, so und ähnlich lauten unsere Ergüsse. Iris sagt, das ist nützlich, denn Fluchen lässt uns Schmerz besser ertragen. Ich denke eher, wir sind wie zwei trotzige Kinder, die niemand tragen will; denen man Eis verprochen hat, und dann gab es keins.

 

In Kindsmanier suche ich mir auch einen Wanderstock, um das steile Bergabgehen angenehmer zu machen. Er zerbricht unter der Last meines Körpers und ich würde es ihm gerne gleichtun.
Trotzdem kommen wir wenige Stunden später im Hotel wieder an. Wir legen uns noch kurz im Whirlpool ein, bevor es Abendessen gibt. Zum Glück müssen wir an dem Abend nicht zum Buffet laufen; wir wären glatt verhungert.

 

 

Wer den ersten Artikel zu meinem Österreichurlaub gelesen hat, wird sich vielleicht fragen, was das denn jetzt mit dem günstigen Hotelpreis zu tun hat.
Ich sage es euch: Es war Zwischensaison. Die Zeit, in der man beim Wandern noch nicht den Gipfel erreichen kann. Und auch die, in der die Scheißpatscherkofelbahn nicht fährt. Hauptsache ist jedoch: Wir hatten am Anfang viel Freude und am Ende viel zu erzählen 😉

 

Jetzt sind wir alt

 

Einmal im Jahr mache ich Urlaub mit meiner besten Freundin. Diesmal führte uns der Weg in die Alpen, nach Igls-Innsbruck, wo man in idyllischer Landschaft wandern kann. Wie Rentner.

 

 

Bei Iris und mir ist jede Reise ein Abenteuer, weil wir uns gern blöd anstellen. Dieses Abenteuer beginnt nicht erst im Hotel, sondern bereits bei der Buchung. Das 4*-Hotel „Sporthotel Igls“ (nein, ich kriege nichts dafür, das hier zu erwähnen) haben wir so günstig gekriegt, dass ich mich schon gefragt hab, wie oder ob die ihr Personal bezahlen. Vor allem, nachdem wir die Ausmaße und die Qualität des Abendessens Erst einmal erfasst und verdaut hatten. (Mehr dazu bald – österreichische Küche ist so gut!)

 

 

hotel balkon
Das Hotel im Kaff; der fette Balkon ist unserer! 😀

Ich nehme also am Anfang vorweg: Das Hotel war schicker als erwartet, wir hatten das beste Zimmer mit Riesenbalkon und Alpenblick – ich übertreibe nicht; keine Ahnung, wieso wir dieses Zimmer kriegten – das Essen war famos gut und der gesamte Urlaub war in meinen Augen völlig gelungen. Trotzdem erwarteten uns natürlich einige mehr oder minder erbauliche Überraschungen bei unseren Ausflügen auf den Patscherkofel, nach Innsbruck und auf den Heumilchhof. Davon werde ich bald in weiteren Posts berichten. Auch der Grund für unseren günstigen Urlaubspreis wird dabei eine Rolle spielen …

Wer früh im Sport sich übt,

und dabei im falschen Land wohnt, der kann erhebliche Schäden davontragen. Die Rede ist vom Doping in der DDR.

ZEIT Online hat heute einen Artikel über die Dopingopfer Ostdeutschlands drin. Der Artikel (Vergiftet von der DDR) legt den Fokus auf die Spätfolgen von Doping. Diese sind zahlreich und daher erschreckend, ich jedenfalls habe mich kaum mehr eingekriegt: bereits Zehnjährigen wurden Hormone, Steroide und wer weiß, was noch*, verfüttert. Dass so junge Sporttalente die Fürsorge ihrer Trainer und Ärzte nicht hinterfragen, wundert dabei wenig. Dennoch quälen sich viele der Opfer heute noch mit Schuld- und Schamgefühlen.

Wie es das ironische Schicksal heute wollte, habe ich eine Sendung voll Unsinn erhalten, den ich mir auf Ebay ersteigert hatte. Unter Anderem enthielt mein Paket ein Liederbuch aus der DDR. Ich habe viel Interesse am Heimatland meiner Familie, die oft betont, dass ja „ooch nich allet scheiße jewesen war“**. Das ist sicher wahr.

 

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Strophe zwei von „Wer früh sich im Sport übt“: der blanke Hohn

Trotzdem war ich beinahe verstört, als ich die Kinderlieder, die ich mir da bestellt habe, angesehen habe: Viele enthalten offensichtliche Propaganda, zum Beispiel ist nicht einfach vom Traktor die Rede, nein – es muss der Traktor der LPG sein. Am schlimmsten war allerdings ein Lied, das geradezu subtil die Ziele der DDR-Propaganda verfolgt: Wer früh sich im Sport übt. Man könnte das Ganze auch als den Versuch einer guten Erziehung verstehen. Aber spätestens die zweite Strophe kann heute nur noch als Hohn gegenüber den damals gedopten Kindern empfunden werden.

Das wars auch schon. Da ich zurzeit nicht wirklich zum Schreiben komme, dachte ich, an diesem kuriosen Fund lasse ich euch teilhaben.

 

*Viele Substanzen sind auch heute nicht bekannt. Andere sind bekannt, jedoch nicht als Arzneimittel zugelassen.
**Nein, nicht alle in meiner Familie sprechen so. Nur die, die ’nich in Westen jemacht ham.‘

Von schlauen Eulen und blöden Menschen

Mein heutiger Müllspaziergang hat mein bisheriges Feindbild gestärkt: KSC-Fans und Fastfoodfresser. Es gibt aber auch Erfreuliches zu berichten.

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Handschuh, mit dem ich nach zwei Regentagen Müll sammelte. Seine Naht scheint zu lächeln, aber eigentlich weint er.

Draußen ist es schon wieder dunkel, kalt, neblig und grau. Ich habe den gesamten Tag der Prokrastination gewidmet, der Himmel hat den ganzen Tag geweint. Bei Regen kann ich nicht lernen. Raus gehen und Müll sammeln erst recht nicht.

Trotzdem beschreite ich die dunkle Allee, deren Saum scheinbar tote Bäume schmücken. Sie sind völlig kahl. Ich sehe trotzdem nichts, denn der Mond scheint nicht. Aber ich höre etwas: einen schrecklichen Eulenruf, gerade so, als ob ein Mensch versuchen würde, das Hu-Huu des edlen Nachtvogels zu imitieren.

Schisser, wie ich einer bin, gehe ich also langsam nur weiter und starre dabei angestrengt zwischen die Bäume ins Dickicht. „Als ob da bei dem Wetter jemand kauert, um dich zu überfallen“, denke ich mir noch und fahre zusammen: Das Eulengeräusche ist jetzt ganz nah. Ich blicke auf und sehe die Silhouette eines kleinen, aber recht dicken Käuzchens. Er ruft mir weiter zu, wir reden also ein bisschen. Ich spreche gern mit Tieren, auch wenn ich sie sicher häufig missverstehe. Ich glaube, der Kauz dankt für mein Bestreben, seine Lebensgrundlage zu erhalten. In dieser Hinsicht sind die Käuze den Menschen sicher weit voraus.

Menschen treffe ich keine auf meinem Weg. Ihre Hinterlassenschaften hingegen schon.

 

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Den Becher habe ich meiner Flurgemeinschaft gespendet. Für BurgerKing-Müll findet niemand Verwendung. Gesamtweg für diesen Sack voll Müll: 1,5 km.

Man erkennt am Wegesrand schon, dass vergangenes Wochenende ein KSC-Spiel stattfand: Bierbecher (aus dem Stadion, vermutlich 1€ Pfand) und Bierdosen (Pfand: 0,25€) lagern hier. Außerdem sehe ich auf einem Parklplatz ein gesamtes Burgerkingmenü – oder was davon übrig ist. Mich fasst hier eine Wut, die sich nicht richtig erklären lässt. Es ist eine Wut auf Leute, die ich nicht kenne und eigentlich auch nicht kennen will: Fußballfans und Fastfoodfresser, die ihren Müll gedankenlos hinter sich werfen.

Aber wie kann man schaffen, dass sie das lassen, wenn man nicht einmal mehr eine Person kennt, die sich so verhält?

 

 

Zwischen Müll und Märchen: Ein Ausflug in den Zauberwald

Einen gemütlichen Spaziergang habe ich heute hinter mir. Vom Nachmittag bis zu Dämmerung – also winterswegen gerade mal 45 Minuten lang – beschritt ich den Laubwald im Winterschlaf. Die Bäume haben längst mit ihren Blättern den Boden zugedeckt. Es war kalt und ruhig und schön draußen.

 

Schön? Ja, tatsächlich. Ich habe heute kaum Müll gefunden, gerade mal ein Bodensatz füllt die Mülltüte, die sonst schon nach einem Bruchteil des zurückgelegten Weges überquillt vor Abfall. Wenn ich heute Müll gefunden habe, dann hauptsächlich neben Sitzbänken ohne Mülleimer.

 

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Weiße Ahornblätter im Buchenlaub

Auf den kleinen Waldwegen hielt ich dennoch aufmerksam die Augen offen. Da spielte die Natur mir Streiche: Zu völliger Farblosigkeit verblichene Ahornblätter reflektierten viel mehr Licht als ihre roten Verwandten, die Blätter der Buche. Da die Buche aber viel häufiger in diesem Wäldchen vorhanden ist, blitzten die Ahornbätter nur so hervor.

 

Häufig ging ich dann hin um diese vermeintlichen Papiere und Folien zu inspizieren. Mit jedem Schritt wurde mein Irrtum ersichtlicher: Wieder nur ein Blatt. Pilzsammler kennen das Problem wohl.

 

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Flechte in nettem Pastelltürkis

Einige Moose und Flechten fingen meinen Blick auf ähnliche Weise ein. Aus dem graubraunen Waldboden sticht ihr Grün und ihr Helltürkis besonders hervor und ist dabei oft von so knalligem Farbton, dass ich mich beinah danach bückte. „Das kann ja nicht sein, so grelle Farben in der Natur“, sagte mir mein Müllradar.

 

Als ich nach Hause komme und immer noch kaum Müll in der Tüte ist, denke ich, das war ein wirklich wunderbarer Montagsmüllspaziergang.

 

 

 

 

 

 

 

Weihnachtsmüll

Dieser Text ist keine Ebaywerbung, sondern die Weihnachtsedition des Montagsmülls.

 

Weihnachten ist schon wieder vorbei. Das bedeutet vor allem, dass wir uns langsam, aber sicher alle wieder Alltäglichem zuwenden. Ich habe das Fest bei meiner Familie in einem beschaulichen Schwarzwaldstädtchen verbracht und es, da es sich anbot, mit meinem wöchentlichen Ritual kombiniert.

 

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Auf 700 Metern Kleinstadtstrecke gesammelt: Weihnachtsmüll

Am ersten Weihnachtfeiertag, einem Montag, wohlbemerkt, legte ich – zwischen mittäglichem Festgelage und der mir zum Platzen gereichenden Einnahme von Kaffee und Kuchen am Nachmittag – mit meiner Familie einen Spazierweg von mehreren Kilometern zurück.

 

Optimistisch, wie ich es nur in solchen Fällen bin, in denen diese Geisteshaltung fehl am Platze ist, nahm ich einen kleinen Müllsack mit, denn wir gingen zunächst nur durch die, wie ich dachte, verhältnismäßig saubere Innenstadt. Dennoch, oder gerade deshalb war nach einem Bruchteil des Weges, nämlich nach kurzen 700 Metern, mein Müllsack voll.

 

Nach anfänglichem Spott seitens dieser Leute, die sich mir verwandt nennen dürfen, half dann sogar mein kleiner Bruder, und der Freund meiner Schwester stellte fest, dass ihm der viele Müll in der Stadt noch nie aufgefallen war.

 

In weihnachtlicher Stimmung begriffen, verbuchte ich dies als Erfolg, denn vor dem eigenen Handeln erfolgt stets eine Bewusstmachung der bisher übersehenen Missstände, und wenn ich nur das erreicht habe, ist es schließlich besser als nichts.

Da ich in den nächsten Tagen beschäftigt sein werde, wünsche ich allen Lesern meines Mülls schon mal einen guten Rutsch ins neue jahr. Und räumt ja eure Raketen auf – sonst mach ich das. 😉

 

Heute ist Montag, oder nicht?

Ich habe letzte Woche eine neue Rubrik, besser gesagt: überhaupt mal eine Rubrik in meinen Blog eingeführt, nämlich den Montagsmüll. Das ist eine stets montäglich angesetzte Sache, bei der ich, der Name sagt es, Müll sammle. Warum, kannst du im ersten Artikel zum Thema nachlesen. Eigentlich geht es natürlich wieder mal darum, dass Studenten zeigen müssen, was sie für Gutmenschen sind.

 

Sonntag ist, wenn ich nicht raus muss

 

 

So wie gestern. Gestern war bei mir Sonntag, und deshalb sammelte ich keinen Montagsmüll. Das ergibt nur Sinn, wenn man missachtet, dass bei euch vermutlich gestern Montag war. Ich hingegen hatte keine Vorlesung wegen Ausfall, keinen Grund aufzustehen und eben vergessen, dass das ein Montag sein sollte.

Heute war dann plötzlich Dienstag. Das bemerkte ich erneut aufgrund meines Stundenplanes (und diesmal sogar richtig!) und fühlte direkt Reue: Ich hatte den Montagsmüll bereits am ersten geplanten Sammeltermin zu sammeln versäumt. Daraufhin ließ ich mir zunächst zahllose Ausreden einfallen, die nur nichts brachten, musste ich sie ja diesmal nicht mir allein, sondern euch, die ihr diesen Blog lest, auftischen.

 

Montagsmuell_19122017
Auf hundert Metern Wegesrand gesammelt: ein ganzer Sack Studentenstadtmüll.

So traf ich heute die Entscheidung: Nur ganz, ganz kurz gehe ich noch mal raus und suche im Dreck Dreck, der diesen Namen kaum verdient. Gesagt, getan, fand ich auf einer Strecke, die laut Google Maps – und Google weiß bekanntlich alles – gerade mal hundert Meter misst, in höchstens zehn Minuten den im Bild dargestellten Müll.
Dabei ist noch zu erwähnen, dass sich in näherer Umgebung kein Fastfoodrestaurant befindet sowie dass am Ende dieser Strecke nur Studenten wohnen, und zwar tausend Stück.

Bleibt mir nur zu sagen: Wenn die restlichen Studenten einen solch ekelhaften Umgang mit unserer Umwelt pflegen, so fällt es mir wohl nicht allzu schwer mich als Gutstudent zu fühlen. Genügend Müll, den ich entfernen kann, scheinen meine werten Mitbewohner – nicht alle, aber definitiv zu viele – durchaus zu verschleudern.