Kolumne 2/2020: Über Arztbesuche, Angst und das neue Altertum

Flach, aber wahr: Corona ist in aller Munde. Ich schreibe also heute über meinen Arztbesuch. Ich war nämlich neulich nicht beim Arzt, und das kam so:

Vor ein paar Wochen habe ich einen kleinen, aber seltsamen Fleck auf meinem Bauch entdeckt. Ich ahnte noch nicht, dass sich dieser Fleck vergrößern und, schlimmer noch, vermehren würde zu einem Imperium krankhaft geschuppter, rotgeränderter Riesenflecken. Also wiederholte ich mein Verhalten, das ich, krank und beschämt, schon von mir kenne, und es ist ein bisschen wie die fünf Stufen der Trauerbewältigung.

 

Die Verleugnung

 

Zuerst kommt die Verleugnung. Ich versuche, den kleinen Fleck zu ignorieren, das klappt so weit ganz gut. Zwei Wochen später erblicke ich eben beschriebenes Ausmaß und denke mir: Klappt doch nicht so gut. (Okay, eigentlich denke ich nur: “Scheiße!”, und auch: “Jetzt muss ich das mindestens meinem Freund erzählen, oh Gott, und zum Arzt, oh Gott!“)

Wir sehen, das Stigma der Hautkrankheiten trifft mich hart, mein Selbstwert schafft neue Negativrekorde und mein Selbstbild… man erinnere sich an The Shining, genauer: an die Frau in Raum 237. Das bin ich, zumindest in meinem Kopf, gegenüber meinem Freund. Der reagiert übrigens äußerst gelassen, wenn auch leicht besorgt – er ist recht vernunftbegabt. Seine liebe Reaktion allein hilft mir und ich merke: Exposition kann Scham lindern – wenn man nicht gerade auf Arschlöcher trifft.
Apropos Arschlöcher: Seit ich mich mit meinen Flecken geoutet habe, habe ich im Freundeskreis schon zwei Stories zu Hämorrhoiden gehört. Anscheinend sind wir jetzt eine große Anti-Ekel-Selbsthilfegruppe.

 

„Kommt da schwarze, stinkende Flüssigkeit raus?“

 

Natürlich teile ich meine Gefühle von Scham und Ekel auch meiner Schwester mit. Sie fragt:“Kommt da schwarze, dickflüssig-klebrige, übelriechende Flüssigkeit raus?”, was mich direkt denken lässt, das dass das nächste Stadium der Krankheit sei, das ich unweigerlich bald erreichen werde.

Man sieht, meine Angst greift sich alles, was mich milde beunruhigen könnte – und zerrt daran, bis sie es fest in der Hand hat. Verstört antworte ich also meiner Schwester auf ihre mittelmäßig hilfreiche Frage: “Was? Nein!”, woraufhin sie mir sagt: “Dann hör auf, dich zu ekeln!”
Das hilft mir dann tatsächlich ein bisschen und ich merke: Humor ist manchmal doch ‘ne brauchbare Hilfe (und Übertreibung ein unterschätztes Stilmittel).

 

Die Akzeptanz und die Depression

 

Mit all dieser lieben Unterstützung erreiche ich automatisch die nächste Stufe: Ich akzeptiere so langsam, dass ich Flecken habe, und natürlich informiere ich mich nun auch. Ich google also – wie immer und wider besseres Wissen – meine Krankheit und erhalte online prompt meine nächste Krebsdiagnose – oder Borreliose – jedenfalls nichts Schönes. Hautkrankheiten sind nämlich nichts Schönes.
Im schlimmsten Fall beginnt die ganze Chose jetzt erst einmal von vorne, weil ich ja eine neue Krankheit habe, die ich bis dato nicht gar nicht gesehen hatte. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich sie gar nicht habe, aber so viel Vernunft habe ich gerade leider nicht übrig.

 

Willkommen in der Zukunft

 

Als ich am selben Punkt wieder rauskomme, an dem ich ja irgendwie gerade eben schon mal stand, sehe ich mich dann doch zum Handeln gezwungen. Ich rufe meine Hausärztin an und erhalte einen Videotermin. Den ersten, den die Frau jemals machte, es ist ein historischer Moment für uns beide: Für sie, weil sie nicht mehr so viele keimversiffte, kranke Patienten sehen muss. Für mich, naja, dasselbe. Warten im digitalen Wartezimmer ist wahrlich der Himmel: Kaum Wartezeit, meine eigene Lektüre – nie mehr BRIGITTE oder auto motor und sport – und vor allem keine weitere Ansteckung beim Arztbesuch. So! Much! Wow! Willkommen in der Zukunft.

Und wie es häufig ist, wenn man ein Stück Zukunft geschnuppert hat, verstehe ich  plötzlich die Vergangenheit nicht mehr: So wie ich nicht verstehe, dass man seine Kacke aus dem Fenster auf die Straße kippt, so verstehe ich nicht, wieso ich im realen Wartezimmer nochmal Platz nehmen sollte. So wie ich nicht verstehe, dass man Bücher von Hand abschreibt, um sie zu kopieren, so verstehe ich nicht… ihr versteht schon. Ich verstehe jedenfalls nicht so ganz, wieso wir jetzt Corona gebraucht haben, um unseren Gesundheitskram zumindest teilweise digital zu gestalten.

 

Die Verzierungen der P. Rosea

 

Um nun zu guter Letzt meine schlimme Krankheitsstory in Wohlgefallen aufzulösen: Sie ist ungefährlich, nicht ansteckend und geht von selbst wieder weg. Pityriasis rosea ist der malerische Name der Verzierungen, die ich nun wohl noch eine Weile tragen werde.

Kolumne 1/2020: Über Pappe, Avocados und den Weltuntergang

In einem Einkaufszentrum in meiner Stadt gibt es einen neuen Hipster-Pommesladen. Er nennt sich irgendwas mit Fritten (ist ja klar). Mein Freund wollte ihn neulich unbedingt aus der Nähe betrachten. Also sind wir hin und gafften eine Runde: er auf die Pommes, ich auf die Aufmachung des Ladens.

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Der Weg zum reinen Gewissen: Papiertüte und Avocado

Nicht wirklich positiv beeindruckt mich dabei die Naturähnlichkeit, die man seit drei Jahren überall findet. Die Tische sind aus irgendwas, was aussieht wie Massivholz, die Pommesschalen sind aus (Einweg-)Pappe, und so weiter. Das allein macht mich natürlich direkt wieder ein bisschen wütend: Diese ganzen Konsumopfer, die sich ihr reines Gewissen nur kaufen können, weil sie keine Ahnung haben, dass Einwegpapierprodukte auch bloß scheiße sind, sollen sie doch verrecken in dem Müll, den sie machen, blablabla, so rattert mein Gehirn. Zugegeben, ich musste auch vorher schon die Einkaufsmeile überqueren und wir stehen gerade gegenüber des Primark-Haupteingangs. Meine Nerven sind also überreizt und finden jetzt alle pauschal ziemlich blöd.

 

„Es gibt jetzt Fleisch mit CO₂-Ausgleich!“

 

Solche Situationen kenne ich gut, und deshalb weiß ich auch, was mir dann hilft: Ablenkung. Ich beginne also, die Karte zu studieren. Mittlerweile ist mein Freund da auch angekommen, er sagt:“ Guck mal, die wollen 3,80€ für ’ne Portion Pommes! Schade…“ und ich komme gar nicht drauf klar, dass man so wenig Kartoffeln für so viel Geld verkaufen kann, aber vielleicht sind ja die Beilagen der Hit. Ganz bestimmt sind sie das.

 

Der Laden preist auf der Karte auch noch Bowls an, er scheint die gesamte Hipsterie mitzumachen, die Deutschland kulinarisch befallen hat. Eine Bowl sticht mir besonders ins Auge, beinah erblinde ich: Fried Chicken & Avocado, wow. Ich höre mich zu meinem Freund sagen:“Cool, es gibt jetzt Fleisch mit CO₂-Ausgleich!“, weil Hähnchen das Tote-Tiere-Produkt mit der geringsten CO₂-Emission ist und Avocados extra eingeflogen werden. Mein nächster Gedanke ist nur, das ist so geistreich, das schreib ich mir auf. Allerdings fiel mir zu dem Zeitpunkt noch nicht auf, dass ich den Witz dann erklären würde, und er dann nicht mehr lustig wäre. Hier ist er trotzdem – bittesehr!

 

Wir sind doch alle nur Kinder, die mal ihren Spaß haben wollen!

 

Als wir aus dem Einkaufszentrum raus wollen, zeigt mein Freund auf eine Szene im Eingangsbereich. Es tummeln sich zwei Kinder, genauer: Sie rollen die Rampe runter, die eigentlich barrierefreies Shoppen ermöglichen soll. Ihr Vater steht daneben und blickt teils resigniert, teils desinteressiert in die Gegend, aber er schimpft  nicht – er lässt die Kinder einfach machen. Und die haben richtig Spaß!
Der Anblick der rollenden Kinder versöhnt mich unmittelbar mit allen Menschen im Universum. Sind wir doch alle nur Kinder, die mal ihren Spaß haben wollen!

Nur mein chronisch angepisster Öko-Anteil hält weiterhin dagegen: Die Kinder sind ja grade niemandem im Weg und schaden höchstens sich selbst – aber was, wenn gerade jemand den barrierefreien Eingang benutzen möchte? Oder wenn jemand über sie stolpert, und sich dadurch verletzt?

Ich bin mir sicher, dann würde der Vater aus seiner Trance erwachen und die Kinder sachte, aber doch bestimmt zur Ordnung rufen. Jetzt hoffe ich nur, dass das mit dem Pommes-Hipstern auch noch irgendwer macht.

Über Vorurteile und Schmarotzertum

Ich habe Vorurteile. Gegenüber allen Menschen, die ich treffe. Diesen unschönen Wesenszug habe ich vor kurzem erst so richtig entdeckt. Ich habe nämlich noch einen weiteren: Schmarotzertum. Ich fahre bei fremden Leuten im Auto mit, ohne mich über eine dieser Apps anzumelden, also auch, ohne Geld zu zahlen. Dafür bezahle ich in Mirabellen, die ich wiederum irgendeinem halbtoten Landstrich im Osten geklaut habe. Da beschwer sich nochmal einer über kriminelle Ausländer.

Womit wir, liebe Leser, wieder beim Thema wären: (Ich trampe und) ich habe Vorurteile. Zum Beispiel gegenüber Anzugträgern, denn die nehmen uns ja eh nicht mit. Besonders, wenn man wie ich am dritten Reisetag schon ein wenig verwahrlost aussieht. Als ich mich aber dazu durchrang, mal einen solchen anzusprechen, lächelte der mich an: „Kommt, steigt ein!“ Ihr, das sind in diesem Fall: mein Freund und ich.

Die kalte Menschmaschine

 

Als wir bei ihm mitfahren, sprengt er dann ungefähr alle weiteren Vorstellungen, die ich von ihm und seinem Leben habe: Er unternimmt coole Campingtrips mit seinen Kindern, backt sein eigenes Brot und kümmert sich obendrein um ein ganzes Bienenvolk, das er in seinem Garten angesiedelt hat. Die kalte Menschenmaschine verwandelt sich vor meinen Augen in eine fürsorgliche, sympathische Person, deren einziger Fehler darin besteht, wie sie auf der Autobahn beschleunigt (nämlich zu stark).

Der Anzugträger ist längst nicht der Einzige, über den ich vorschnell urteile. Da wäre noch der Deutschrusse mit starkem Akzent und dickem BMW, den er uns als „die Kutsche vom Vatter“ vorstellt.  Obwohl kaum älter als wir, will er uns unbedingt Geld geben und dann noch Essen (ich sagte ja: ich sehe verwahrlost aus). Wir lehnen ab, aber ihm geht es um die gute Tat des Teilens an sich – das sei Philosophie, erklärt er uns.

Bone Crusher

 

Größeren Schrecken erlitt ich bei einer anderen Mitfahrgelegenheit: Als ich mich auf die Rückbank setze, erblicke ich einen Baseballschläger im Sitz vor mir. Der Schläger trägt die Aufschrift bone crusher, zu Deutsch: Knochenbrecher. Mir wird etwas mulmig, aber ich beruhige mich damit, dass ich im Zweifelsfall den Schläger besser erreiche als unser tätowierter Fahrer. Der fährt für uns extra einen Umweg und gibt uns am Ende noch Süßigkeiten. Ja, wir haben die gegessen. Nein, wir sind nicht gestorben. Hinterher fiel  uns nämlich auf: Ein ganz anderer Stereotyp passt zwar sicher auch nicht genau, aber deutlich besser: Der amerikanophile 50er-Jahre-Typ, erkennbar an seinen Tattoos, dem Baseballzubehör, sowie seinem Kofferraum voll Beef Jerky und Milky Way.

Als letztes Beispiel soll ein Mann dienen, der uns siezte und zunächst forderte: „Beschreiben Sie Magdeburg in drei Sätzen!“ Wir fühlten uns wie beim Bewerbungsgespräch und erfuhren weiter: Der Typ segelt. Für mich ist das der Inbegriff der Spießigkeit, fehlte nur noch, dass er uns mit Golf und Aktien zulabert. Stattdessen wandte sich unser Gespräch um neunzig Grad: ums Segeln ging es immer noch, nun aber auch um alternative Ansätze, in Gemeinschaft zu leben. Der Mann lobpreiste geradezu unsere Zukunftspläne und empfahl meinem Freund, für einige Zeit in ein Auto zu ziehen (was der sowieso vorhatte). Er war total interessiert und konnte selbst spannend erzählen. Beim Aussteigen stellten wir fest: Das muss wohl die coolste Fahrt auf unserer Reise gewesen sein.

Schweißgebadet nach Schwäbisch-Hall

 

Kurioserweise verlief die schlimmste Fahrt genau umgekehrt. Einem positiven Eindruck – es lief Deutschlandfunk Kultur – folgte eine in vielerlei Hinsicht schweißtreibende Fahrt. Der Fahrer, der, so dachten wir, ein ruhiger Typ zu sein schien, zeigte im Auto seine wahre Schnauze: Er motzte nur so vor sich hin und überholte vor Kurven und Anhöhen gleichermaßen. Beinahe schlimmer fand mein Freund allerdings, dass wir ohne Lüftung bei dreißig Grad in dem Auto saßen. Als er den Fahrer fragte, ob wir mal lüften könnten, ließ dieser die Fenster herunter – um sie direkt wieder zu schließen. Als wir ausstiegen, sahen wir: Der Fahrer war genauso klatschnass wie wir. Wir dankten ihm artig und sahen zu, dass wir wegkamen – nur, ob uns jetzt noch wer mitnähme, bei dem Geruch?

 

Ich nehm‘ keine Anhalter mit!

Viele Autofahrer fürchten übrigens genau das: Dass wir stinken. Ich habe nämlich nicht nur bei mir selbst Vorurteile gefunden. Auch die Autofahrer haben viele Raster, Filter und Schubladen, durch die sie uns hindurch- oder hineinzwängen wollen. Einen alten Ossi konnten wir dabei überraschen. Nach zwei Stunden gemeinsamen Fahrens gestand er uns freudig: „Wenn ich dat ma so saaren darf: ick rieche euch noch nich!“
Ein anderer Mann sagte zu meinem Freund: „Ich nehm keine Anhalter mit“, aber als er mich sah, überlegte er es sich anders. Als Freund eines zarten Wesens wie mir wirkte er scheinbar weniger bedrohlich, zuvor hatte der Mann sich wohl ausgemalt, wie gefährlich ihm der allein reisende Kerl mit den langen Haaren werden könnte – womöglich hat er ein Messer dabei? Aber nein, da ist ja noch ‘ne Frau mit bei, hat also doch kein Messer. So oder ähnlich funktioniert wohl unser Gehirn, wenn wir Menschen einordnen wollen, und siehe da: Es passieren dadurch einige Fehler. (Ich hatte nämlich ein Messer dabei. Fürs Essen, wohlgemerkt.)

 

Kommt zusammen, Leute, lernt euch kennen!

– Rio Reiser

 

Indem wir auf die Autofahrer trotzdem zugegangen sind, konnten wir solche Fehler schnell ausmerzen und sie kennenlernen – und das hilft ungemein gegen den Hang zum vorschnellen Urteil! In den allermeisten Fällen wurden wir dabei positiv überrascht. Viele haben wir aber tatsächlich gar nicht erst gefragt – aus Angst, dass sie uns eh nicht mitnehmen. Manche sogar aus Angst, dass sie uns mitnehmen.

Überhaupt spielt Angst auf beiden Seiten die wohl größte Rolle, was Vorurteile angeht. Sie verhindert ein Kennenlernen. Und umgekehrt lässt Kennenlernen Ängste schwinden.

Um den Autofahren ihre Angst frühzeitig zu klauen, habe ich mir für die nächste Tramptour was ausgedacht: Ich mache ein Schild, das statt des Reiseziels die Aufschrift trägt: „Ich hab mehr Angst vor dir als du vor mir!“, und vielleicht in kleinerer Schrift darunter: „Und ich habe heute schon geduscht.“

Der Patscherkofel

Über Alpen, Abenteuer und Abfuck

Iris und ich, wir kennen uns gegenseitig sehr gut. Und wir kennen uns auch jeweils selbst gut genug um zu wissen: Wenn wir nicht am ersten Urlaubstag ’ne fette Wanderung hinlegen, dann nie. Begnadete Wanderer sehen anders aus.

So informieren wir uns direkt nach unserer Ankunft in Igls und werden auch schnell fündig: Der Patscherkofelweg (rote Sterne) soll es sein. Wanderwege, Aussicht, nur 9,7 Kilometer – die allerdings steil nach oben. Denn die zu erklimmenden 1130 Höhenmeter ergeben auf dieser Strecke eine durchschnittliche Steigung von zwölf Prozent. Egal, denken wir uns, schließlich können wir hinterher mit der Seilbahn wieder runterfahren.

wanderkarte patscherkofel

Am nächsten Morgen stehen wir also 6:30 Uhr auf, nehmen noch ein üppiges Frühstück ein und begeben uns dann gen Berg. Das Wetter ist wunderbar, klare, kühle Luft, die einen Sommertag schon im April verspricht.

 

 

Abzweigungen verwirren uns kaum, und so folgen wir den Wanderschildern, die extra olivgrün uns den Weg weisen. Das ist auch notwendig, denn allein am Berg orientieren ist, gelinde gesagt, nicht unsere größte Stärke. Wir treffen zudem auf dem Weg nach oben kaum eine Menschenseele. Nur eine Frau mit Hund begegnet uns, sie sei eben nach Heiligwasser (hellgrüner Stern) gelaufen, ob wir wohl ganz hoch wollen? Das süße Felltier (nicht die Frau; den Hund!) streichelnd bejahen wir. „Fein!“, sagt die Frau in östergereichertem Deutsch und wünscht uns noch einen schönen Ausflug. Sie wirkt gar nicht zynisch, während sie das sagt, und doch hätte sie uns warnen können vor dem, was oben auf uns wartet. Sie ist der letzte Mensch, mit dem wir auf dem Patscherkofel sprechen.

 

 

Wir finden zauberhafte Gewächse

 

 

 

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Acker-Schachtelhalm

Es gibt aber viel mehr als nur Österreicher zu entdecken: Wir finden eine Wiese, die von seltsamen Pilzen bewachsen ist. Meine erste Hoffnung sind spitzkegelige Kahlköpfe, die gern auf Kuhweiden sprießen, aber bereits ein weiterer Blick verrät, dass dem so nicht ist. Wir fotografieren die Pilze also, um später herauszufinden, was das war, und siehe da: es sind keine! Die Pflanze, die so aussieht, nennt sich Acker-Schachtelhalm und wächst auf unserer Erde schon seit Urzeiten. Ich finde es immer spannend, solche vegetatorischen Zeitreisen zu unternehmen, und sie sollen noch kein Ende haben: Auch Moose und Farne, die ebenfalls die Dinos schon gesehen haben, zieren den Patscherkofel und seinen Wald. Besonders schön finde ich, wie die Moose kleine Wälder bilden, in ganz verschiedenen Farben, und Iris kann kaum fassen, wie die Farne sich entrollen. (Video; schaut es euch an!)

 

 

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Während wir diese ganzen alten Pflanzen auf so uraltem Gestein betrachten, fällt mir auf, wie jung wir eigentlich sind. Nicht nur Iris und ich, sondern wir als Menschheit, als Spezies. Und führt uns der Weg aus dem Wald hinaus, so erblicken wir eine atemberaubende Aussicht, die Nordkette. Wie klein man sich fühlt inmitten von Bergen. Erst hier wird jedem völlig klar, wie winzig wir sind, wie nichtig, wie jung. Und längst nicht so anpassungsfähig wie unser Freund, der Acker-Schachtelhalm.

 

Er wächst und beschwert sich nicht

 

 

Der kann nämlich vom arktischen bis zum mediterranen, vom ozeanischen bis zum stark kontinentalen Klima alles ertragen: Er wächst, und er beschwert sich nicht. Ganz im Gegensatz zu uns: Obwohl unser Aufstieg gemütlich und ohne Eile vonstatten geht, beginnen unsere Muskeln und Knochen langsam zu ächzen. „Noch drei Kilometer!“, sagt uns ein Schild, als wir den ersten richtigen Schnee finden. Meine Freude ist riesig, schließlich gibt es in meinem Studienort den gesamten Winter über niemals Schnee. Eigentlich gibt es da nicht mal Winter, nur langen, langen Herbst.

 

 

Je höher wir steigen, desto Winter, das erkennt man auch an der Vegetation. Wir können unseren Fortschritt ebenso gut daran erkennen, dass es in jeder Serpentine, die wir passieren, mindestens einen Aussichtspunkt gibt. Irgendwann taucht hinter ein paar Hügeln eine Siedlung auf und wir rätseln darüber, was das wohl ist. Zwei Serpentinen weiter ist die Siedlung zu einer großen Stadt herangewachsen, an deren Namen kein Zweifel besteht: Es ist Innsbruck. Seine Häuser und Straßen sehen aus wie Modelle; alles wirkt so überschaubar.

 

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Blick auf Innsbruck vom Patscherkofel            © Martin Furtschegger

 

Über den Wolken (ai ai ai) muss die Freiheit wohl grenzenlos sein„, denke ich und kriege einen Ohrwurm. Ich bete, dass Iris mich nicht vom nächsten Aussichtspunkt schubst.

 

 

 

Eine letzte Rast

 

Mittlerweile sind wir ziemlich fertig. Daher kommt uns die Lanser Alm (oranger Stern) sehr gelegen. Wir machen dort eine kleine Pause und essen ein wenig, bevor wir uns hoffnungsfroh dem übrigen Stück Weg zuwenden. Es sind steile Serpentinen durch den Wald, die uns erwarten. Der Pfad wird nur von Wurzeln gehalten, und ein bisschen erinnert dieser restliche Abschnitt mehr ans Treppensteigen denn ans Wandern. Die letzten Meter sind die schlimmsten, denke ich, aber dann haben wir’s geschafft, und Iris geht es wohl ähnlich. Wir sind näher am Abkratzen, je länger wir aufsteigen, und dennoch erfüllt uns der Gedanke an eine baldige Ankunft mit Glück.

 

Aber die gibt es nicht. Stattdessen gibt es: keinen Weg mehr; einen Hang voll Schnee, so weit und steil, dass er für uns unüberquerbar ist; die Erkenntnis, dass wir wohl die Schneegrenze überschritten haben; die Erkenntnis, dass wir nicht weiter kommen.

 

„Ja, scheiße.“

 

So schnell ging das mit der Erkenntnis allerdings nicht: Iris testet erst einmal vorsichtig, ob man nicht doch irgendwo entlang kommt – ich mache mir unterdessen fast in die Hose bei dem Gedanken, dass sie abrutscht; denn vom Aufstieg sind unsere Beinmuskeln schon ordentlich malträtiert und melden sich nun mit nervösem Zittern. Ich schreie Iris an: „Komm wieder her, das wird nix!“

 

Wir trinken was, essen einen Apfel. Wir überlegen, uns mit dem Kalkül abzustürzen weiterzubewegen – die Nummer der Bergrettung habe ich noch beim Frühstück recherchiert. Soll das umsonst gewesen sein? Und: soll der gesamte Scheißaufstieg umsonst gewesen sein? Hysterie macht sich in mir breit: Ich beginne zu lachen. „Das ist so typisch“, sagt eine von uns. „Ja,“ sagt die andere, „scheiße.“

 

Da wir den weiteren Weg nicht sehen, obwohl er ja direkt vor uns liegen müsste, vermuten wir ihn irgendwo im Schnee. Um uns aber sicher zu sein, wollen wir gern nachschauen, und Iris schmeißt Google Maps an. Wir sind erstaunt, dass das auf dem Berg funktioniert, und finden heraus: Bis zu unserem geplanten Ende dieser Wanderung sind es noch 700 Meter und kaum Höhenmeter. Wir kommen trotzdem nicht weiter, und dieses Wissen um unser nur knapp verfehltes Ziel ist eine Bürde ohnegleichen.

 

„Umzukehren und abzusteigen ist eine der schwierigsten Entscheidungen in den Bergen. Vielleicht die schwierigste überhaupt. Ich habe lange gebraucht, bis ich das gelernt habe.“ Hans Kammerlander

(Demnach sind wir schon richtige Profis.)

 

 

Wanderausflug mit Koprolalie

 

Danach erfolgt nur noch der Abstieg. An der Lanser Alm kommen wir erneut vorbei und essen dort unser gesamtes mitgebrachtes Essen auf. Des Weiteren schimpfen wir auf den Berg, auf den Weg, auf die Schilder, auf die Frau mit Hund; am Ende schimpfen wir vor allem auf unsere Knie- und Hüftgelenke, die uns den Abstieg gar nicht danken. Käme uns bei diesem Marsch jemand entgegen, so hielte er uns wahrscheinlich für einen Wanderausflug mit Koprolalie: „So eine verdammt blöde Arschlochscheiße an diesem hässlichen Hurensohn von einem Berg!“, so und ähnlich lauten unsere Ergüsse. Iris sagt, das ist nützlich, denn Fluchen lässt uns Schmerz besser ertragen. Ich denke eher, wir sind wie zwei trotzige Kinder, die niemand tragen will; denen man Eis verprochen hat, und dann gab es keins.

 

In Kindsmanier suche ich mir auch einen Wanderstock, um das steile Bergabgehen angenehmer zu machen. Er zerbricht unter der Last meines Körpers und ich würde es ihm gerne gleichtun.
Trotzdem kommen wir wenige Stunden später im Hotel wieder an. Wir legen uns noch kurz im Whirlpool ein, bevor es Abendessen gibt. Zum Glück müssen wir an dem Abend nicht zum Buffet laufen; wir wären glatt verhungert.

 

 

Wer den ersten Artikel zu meinem Österreichurlaub gelesen hat, wird sich vielleicht fragen, was das denn jetzt mit dem günstigen Hotelpreis zu tun hat.
Ich sage es euch: Es war Zwischensaison. Die Zeit, in der man beim Wandern noch nicht den Gipfel erreichen kann. Und auch die, in der die Scheißpatscherkofelbahn nicht fährt. Hauptsache ist jedoch: Wir hatten am Anfang viel Freude und am Ende viel zu erzählen 😉

 

Jetzt sind wir alt

 

Einmal im Jahr mache ich Urlaub mit meiner besten Freundin. Diesmal führte uns der Weg in die Alpen, nach Igls-Innsbruck, wo man in idyllischer Landschaft wandern kann. Wie Rentner.

 

 

Bei Iris und mir ist jede Reise ein Abenteuer, weil wir uns gern blöd anstellen. Dieses Abenteuer beginnt nicht erst im Hotel, sondern bereits bei der Buchung. Das 4*-Hotel „Sporthotel Igls“ (nein, ich kriege nichts dafür, das hier zu erwähnen) haben wir so günstig gekriegt, dass ich mich schon gefragt hab, wie oder ob die ihr Personal bezahlen. Vor allem, nachdem wir die Ausmaße und die Qualität des Abendessens Erst einmal erfasst und verdaut hatten. (Mehr dazu bald – österreichische Küche ist so gut!)

 

 

hotel balkon
Das Hotel im Kaff; der fette Balkon ist unserer! 😀

Ich nehme also am Anfang vorweg: Das Hotel war schicker als erwartet, wir hatten das beste Zimmer mit Riesenbalkon und Alpenblick – ich übertreibe nicht; keine Ahnung, wieso wir dieses Zimmer kriegten – das Essen war famos gut und der gesamte Urlaub war in meinen Augen völlig gelungen. Trotzdem erwarteten uns natürlich einige mehr oder minder erbauliche Überraschungen bei unseren Ausflügen auf den Patscherkofel, nach Innsbruck und auf den Heumilchhof. Davon werde ich bald in weiteren Posts berichten. Auch der Grund für unseren günstigen Urlaubspreis wird dabei eine Rolle spielen …

Heute ist Montag, oder nicht?

Ich habe letzte Woche eine neue Rubrik, besser gesagt: überhaupt mal eine Rubrik in meinen Blog eingeführt, nämlich den Montagsmüll. Das ist eine stets montäglich angesetzte Sache, bei der ich, der Name sagt es, Müll sammle. Warum, kannst du im ersten Artikel zum Thema nachlesen. Eigentlich geht es natürlich wieder mal darum, dass Studenten zeigen müssen, was sie für Gutmenschen sind.

 

Sonntag ist, wenn ich nicht raus muss

 

 

So wie gestern. Gestern war bei mir Sonntag, und deshalb sammelte ich keinen Montagsmüll. Das ergibt nur Sinn, wenn man missachtet, dass bei euch vermutlich gestern Montag war. Ich hingegen hatte keine Vorlesung wegen Ausfall, keinen Grund aufzustehen und eben vergessen, dass das ein Montag sein sollte.

Heute war dann plötzlich Dienstag. Das bemerkte ich erneut aufgrund meines Stundenplanes (und diesmal sogar richtig!) und fühlte direkt Reue: Ich hatte den Montagsmüll bereits am ersten geplanten Sammeltermin zu sammeln versäumt. Daraufhin ließ ich mir zunächst zahllose Ausreden einfallen, die nur nichts brachten, musste ich sie ja diesmal nicht mir allein, sondern euch, die ihr diesen Blog lest, auftischen.

 

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Auf hundert Metern Wegesrand gesammelt: ein ganzer Sack Studentenstadtmüll.

So traf ich heute die Entscheidung: Nur ganz, ganz kurz gehe ich noch mal raus und suche im Dreck Dreck, der diesen Namen kaum verdient. Gesagt, getan, fand ich auf einer Strecke, die laut Google Maps – und Google weiß bekanntlich alles – gerade mal hundert Meter misst, in höchstens zehn Minuten den im Bild dargestellten Müll.
Dabei ist noch zu erwähnen, dass sich in näherer Umgebung kein Fastfoodrestaurant befindet sowie dass am Ende dieser Strecke nur Studenten wohnen, und zwar tausend Stück.

Bleibt mir nur zu sagen: Wenn die restlichen Studenten einen solch ekelhaften Umgang mit unserer Umwelt pflegen, so fällt es mir wohl nicht allzu schwer mich als Gutstudent zu fühlen. Genügend Müll, den ich entfernen kann, scheinen meine werten Mitbewohner – nicht alle, aber definitiv zu viele – durchaus zu verschleudern.

 

Ein Essay über die ZEIT und Geld und Sucht und Zeit und natürlich über Liebe

Weihnachten steht vor der Tür, und mit ihm Tage der Besinnung. Oder doch wieder nur des besinnungslosen Konsums? Ich bin mir nicht mehr sicher. Dieser Essay handelt von solchem Handeln, man könnte ihn auch als Manifest verstehen, mit dem ich konstatiere: Mein Lifestyle ist geiler als deiner!

 

Vor kurzem ist bei der ZEIT ONLINE Arbeit ein Artikel mit einem seltsam vielversprechenden Titel erschienen. „Ich bin süchtig nach Geld“, ein Zitat deshalb, weil es sich bei dem Text um ein Interview mit Berufseinsteigern handelt, die sich darin mit ihrer Einstellung zu Geld befassen. Ich finde, das klingt zunächst sehr interessant; allein die Überschrift lässt eine Entrüstung, die ihresgleichen sucht, in mir aufsteigen. Im Folgenden möchte ich diesem gutbürgerlichen, möglicherweise kapitalistisch verblendeten Auswuchs unserer Gesellschaft in einem Bericht der sonst doch etwas linken ZEIT ONLINE meinen bisherigen, vielleicht naiven Lebensentwurf gegenüber stellen, wobei zu beachten ist, dass mir mein Wohlergehen um ein Vielfaches wichtiger ist als mein Wohlstand – auch wenn das eine nicht ganz ohne das andere auskommt.

Wozu Freizeit ohne Geld?

Ich lebe nämlich wie die meisten Menschen in Deutschland in einer Blase; jedoch nicht in einer sächsischen, die weitgehend ohne Ausländer, dafür mit viel Hass auskommt, sondern in einer studentischen, in der die meisten Leute der Freizeit gleich oder gar mehr Wert beimessen als dem durch Einsatz von Freizeit verdienten Geld. In dem Studentenwohnheim, wo ich nun schon seit drei Jahren lebe, lernen viele ihre Freizeit auch ohne Geld zu schätzen, und meine arbeitenden Freunde beneiden uns schon mal darum. Viele Bekannte aber fragen: Was will ich mit Freizeit, wenn ich sie nicht nutzen kann? Ich habe ja dann kein Geld?

 

Philipp, 26, braucht jedes neue iPhone sofort

 

Ähnlich wie diesen Bekannten geht es auch Philipp, 26 Jahre alt und der Erste, der der ZON Arbeit sein Verhältnis zu Geld schildert. Philipp arbeitet als Finanzdienstleister und kennt sich somit gut aus mit Finanzen und der Wirtschaft. Wer nun besondere Weitsicht bezüglich seines Umgangs mit Geld erwartet, wird dennoch schwer enttäuscht werden: Dieser junge Mann erlaubt sich mit „mehr Geld mehr Freiheiten“, er zählt auf: einen Riesenfernseher, jedes neue iPhone (das brauche er sofort), Spontanflüge in die USA, „vorrausgesetzt, ich bekomme Urlaub.“ Daran hapert es ja meistens, wenn man sehr viel Geld verdient: Man hat keine Zeit mehr, es auszugeben. Diesen Gegensatz von mehr Freiheit und zu wenig Freizeit zur Auslebung selbiger löst Philipp gekonnt auf mit der Aussage, dass er mehr Geld immer mehr Zeit vorzöge – dabei war die Einsicht ja schon da, dass er es dann noch seltener ausgeben kann. Ich kann diese absurde Überzeugung nicht nachvollziehen, der Artikelname ist Programm. Philipp ist süchtig nach Geld: Seinem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

„Ich will aber!“

 

Diese Sucht bezieht sich jedoch nicht direkt aufs Geld, sondern vielmehr auf den Konsum: „Irgendwann ist man eben auf einem Level angelangt, da braucht man dann die dritte Jacht, weil man Bock drauf hat.“ Braucht man? Braucht ein Kind den Schokoriegel an der Kasse, weil es „Bock drauf hat“? Auf den Vergleich mit einem quengelnden Kleinkind kann ich nicht verzichten, sagt Philipp später über das ständige Mehr an Luxus: „[A]ber ich will es haben.“

 

Ich will nie so reich sein, wie unser Philipp es ist; man sieht ja, wie unsozial Superreiche sich in ihrem Bestreben ihren Reichtum größer, höher und weiter anzuhäufen verhalten, an den zahllosen Skandalen in Gegenwart und Vergangenheit, für die sie scheinbar skrupellos sorgen. Unsozial, wenn es das trifft, vielleicht aber auch vielmehr sozial wenig interessiert, da finanziell überengagiert ist auch Philipp bereits. Ihm ist mehr Geld generell wichtiger, als dass er mit seinen Kollegen und dem Chef gut auskommt, für mehr Gehalt nimmt er jedes noch so abscheuliche Arbeitsklima in Kauf. Auf Schöndeutsch: Philipp würde ohne Weiteres seinen Arsch an Arschlöcher verkaufen.

 

Sucht Sucht Freunde aus?

 

Zudem müssen seine Freunde das Potential haben sich finanziell zu entwickeln. In meinen Augen ist das Wahnsinn. Was ich hingegen als normale Anforderungen für Freunde betrachte: Sie sollten mich gut leiden können und ich sie auch. Ähnlicher Humor ist ebenfalls von Vorteil. Ich möchte damit nicht darstellen, was für ein unglaublich guter Mensch ich bin, denn das bin ich nicht. Ich möchte auch nicht sagen, dass Philipp sein Leben mit Sicherheit falsch führt, auch wenn es mir schwer fällt zu glauben, dass man so glücklich sein kann – und das Glücklichsein ist für mich die Hauptsache. Für Philipp ist sie eher die Illusion des Irgendwannglücklichwerdens. Sein Ziel ist offensichtlich Reichtum, der immer wachsen soll. „Ein Wahnsinnsgefühl, dieses Mehr. Dass es beim Reichtum kein Limit gibt,“ ist meines Erachtens ziemlich schlimm, aber was soll’s. Viel problematischer ist für Philipp, dass er für sein Glück immer mehr von etwas braucht. Wenn man so gesehen seinen (Kauf-)Rausch immer steigern muss, um froh zu sein, dann kann man auch mit Heroin glücklich werden und am Ende völlig zugeballert sterben. (Einziges Problemhierbei: gutes Heroin ist wiederum teuer.) Es ist dann auch wichtig, dass die Freunde gern Heroin nehmen wollen, zusätzlich zu finanziellem Potential benötigen sie jetzt eben Sucht- und Kriminalitätspotential, um die Analogie zu Philipps Konsumproblem mal zu verdeutlichen.*

 

Anna, 26, will es zeigen – aber wem eigentlich?

 

Ganz so verkorkst ist Anna, Kandidatin Nummer zwei im besprochenen Artikel, nicht. Sie ist ebenfalls 26 Jahre alt und arbeitet als Floristin, nennt sich aber „Floral Artist“, damit junge, abgehobene Paare, beeindruckt von dieser englischen Berufsbezeichnung – die beiden sind vermutlich „Manager of Public Relations“ und „Economic Leadership Coach“ –, ihre Dienste besser entlohnen. Anna will zeigen, dass sie es geschafft hat – mit einem nagelneu glänzenden Mercedes und einzelnen Outfits im Wert von jeweils mehreren Hundert Euro. Ihrem Sohn versucht sie aber selten teures Spielzeug zu kaufen, von dem sie zugibt, dass es nach zwei Tagen in einer Ecke liegt, vergessen, traurig und einsam, und predigt Dankbarkeit. Dass kleine Kinder zunächst durch Nachahmung und nicht so sehr durch Erziehung geprägt werden, scheint ihr entfallen.

Ich will vor allem wissen: Wem will Anna es zeigen? Sie selbst weiß ja, dass sie es geschafft hat, denn sie kann es in ihrem Zuhause, auf ihrem Konto, vielleicht in den Augen ihres Kindes sehen. Sie möchte es aber nach außen hin präsentieren; sie möchte von anderen aufgrund ihrer finanziellen Situation beurteilt werden. Vermutlich hält sie das sogar für unumgänglich, haben doch ihre Eltern, obwohl sie wenig Geld hatten, ihr Haus zu Prestigezwecken behalten anstatt sich die vermeintliche Blöße zu geben in eine günstigere Wohnung umzuziehen und möglicherweise ein finanziell wie allgemein entspannteres Leben zu führen.

 

Ein jeder hat sein Kindheitstrauma

 

Meine Kindheit hat mich in Sachen Geld ebenfalls erheblich geprägt, nehme ich an: Wir hatten keine Kohle und ich habe immer ein bisschen scheiße ausgesehen in meiner abgetragenen Kleidung, die über zwei Cousinen und eine Schwester weitergegeben worden war, bevor man sie mir übergestülpt hat. Obwohl ich eigentlich zu spät dafür geboren bin, habe ich mit 10 Jahren noch Schlaghosen getragen. Ich kann Annas Scham und ihren Unwillen ihr Geld nicht zu zeigen also ein Stück weit nachvollziehen. Irgendwann aber hat mir dieser Umstand des Nichtalleshabenkönnens beigebracht, dass man sich individuell und schön gestalten kann. Ein bisschen waren das allerdings auch die Ärzte, die mir, aufgenommen mit der Muttermilch, vermittelten:

 

„Ich bin nicht arm – ich hab, was mir gefällt. Ich bin nicht neidisch auf dich oder dein Geld. Herzlich willkommen in meinem Lebenslauf.“

„Ich bin nicht hässlich; ich seh nur anders aus als du.“

 

 

 

 

Wie aus Mangel Weisheit wurde

 

Wir hatten keine große Bude, und damit meine Schwester und ich zumindest je ein eigenes Zimmer haben konnten, hat unsere Mutter im Wohnzimmer geschlafen.Während meine Klassenkameraden aus gutbürgerlichem Mittelschichthause Markenprodukte gegessen, getragen, konsumiert haben, so habe ich – Danke, Mama! – recht früh den Sinn davon hinterfragt mehr Geld für ein Logo auszugeben; heute weiß ich, dass Nutella aus billigem und umweltschädlichem Palmfett hergestellt wird, sodass ich mein Geld, wenn ich zu viel habe, auch in Ökoalternativen aus halbwegs regionaler und fairer Herstellung investieren kann, oder, dass ich, falls mir wirklich wenig Geld zur Verfügung steht, auch billige Alternativen verwenden kann. Der von Ferrero viel gepriesene einzigartige Geschmack ist hier wie bei vielen Markenprodukten ausschließlich Gewöhnungssache. Ich weiß mittlerweile auch, dass renommierte Textilhersteller, deren Werbung in Form von Pullis und Shirts mit Schriftzug oder Streifen man als „Cool Kid“ auf dem Schulhof unbedingt tragen muss, anderswo Kinder ausbeuten.

 

Liebe macht reicher als Geld

 

Ich muss niemandem etwas zeigen; meine Eltern sind bestimmt stolz auf mich, weil ich „was Anständiges“ studiere. Tatsächlich wollte ich aber als Kind Floristin werden, so wie Anna, und ich bin mir sicher, das hätten sie ebenfalls stolz mit angesehen. Drum möchte ich Anna am liebsten sagen: Du hast es doch geschafft! Zeig es dir und deiner Familie, gern auch deinen Freunden oder Fremden, indem du euch etwas Gutes tust. Dazu benötigt man nicht unbedingt Geld, sondern Zeit und Liebe. Die sind ja zum Glück immer noch umsonst und bringen einen Reichtum, der mit Gold nicht aufzuwiegen ist.

 

Mein Reichtum ist deine Normalität

 

Ein wiederum etwas anderes Maß für Reichtum hat Christian. Er hat mit seinen dreißig Jahren an Alter und seinem Job in der Automobilbranche noch keine Million zusammen und betrachtet sich deshalb nicht als reich. Diese erste Aussage finde ich in der globalisierten Welt, in der fast alle Deutschen über materiellen Reichtum verfügen, unangebracht; Christian könnte ruhig mal seine Prioritäten überdenken und eine Runde über den eigenen Tellerrand schauen. Mir ist klar, dass meine persönliche Grenze von Reichtum da liegt, wo bei anderen erst die Normalität beginnt, aber ich denke, ich fahre ganz gut damit. Wieder ist das sicherlich auch meiner Kindheit und nicht meinem Intellekt oder einer ersponnenen moralischen Überlegenheit zu verdanken. Früher habe ich alle meine Freunde als reich angesehen, weil sie in Einfamilienhäusern in Neubaugebieten gelebt haben, denn mir war so etwas bis dahin unbekannt. Auch heute bezeichne ich daher den in Deutschland gewohnten Wohlstand gern als Reichtum: Immerhin hat nahezu jeder hier ein Dach und fließend warmes Wasser und genügend Essen zum Wegwerfen sowie einen Taschencomputer, der quasi alles kann und alles ersetzt.

 

Aber Christian kratzt die Kurve: Neben sinnfreien Anschaffungen wie Kopfhörern für 350 Euro – „Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss schon stimmen“ – gibt er auch Geld für bessere Lebensmittel und kostenlose Dienste wie die Wikipedia aus, die er für unterstützenswert hält. Ich denke, Christian hat seinen Reichtum eigentlich doch erkannt, nur möchte er ihn nicht beim Namen nennen, sei es aus Scham oder aus Angst vor Neid. Viel wichtiger ist aber, was er daraus für sich ableitet und wie sein, nennen wir es Christian zuliebe Wohlstand, sein Handeln und seinen Konsum bestimmen.

 

Nicht nur Christen können Nächstenliebe

 

Seinen Reichtum zu erkennen und daraufhin auch andere, die weniger haben, daran teilhaben zu lassen ist Teil aller Weltreligionen. Doch auch wer wie ich nicht religiös ist, hat im Alltag jede Menge Gelegenheit dazu. Mein Freund zum Beispiel gibt jedem Obdachlosen, dem er begegnet, Geld und ein Gespräch oder er kauft etwas für ihn ein. Seine Begründung könnte einfacher nicht sein: „Es hätte auch mich treffen können, alles ist Zufall.“ In Religionen, die an die Wiedergeburt glauben, sagt man stattdessen: „Das könnte deine verstorbene Großmutter/dein zukünftiger Enkel sein“, das Prinzip bleibt dasselbe. Dieser von Demut geprägten solidarischen Philosophie versuche auch ich zu folgen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Der größte Gegner hierbei heißt Angst und er verleitet schnell zu Missgunst oder zum Wegsehen, wo niemand gern hinschauen möchte.

 

Auch in der Erziehung gilt: Zeit ist wichtiger als Geld

 

In gewissem Maße scheint die Angst auch Christians Beziehung zu Geld zu beeinflussen: Er nennt zuletzt Sicherheit, Rente und Kinder als größten Anreiz zum Geldverdienen. Das ist ein valides und vor allem verständliches Argument. Dennoch sollte man meiner Meinung nach, gerade wenn man Kinder hat, mehr Zeit und Aufmerksamkeit als Geld in sie investieren. Was ansonsten geschehen kann, ist unter anderem hier, aber auch sonst sehr viel auf Youtube und sozialen Medien zu sehen, wo Kinder mit guten, teuren Kameras die peinlichste Zeit ihres Lebens festhalten um, wenn nicht die Aufmerksamkeit ihrer Eltern, so doch wenigstens die fremder Personen im Internet zu ergattern.

 

YOLO, das bedeutet: „You only live once!“

 

Lydia Krüger hat sich in ihrem Blog Büronymus mit demselben Thema befasst und kommt ebenfalls zu dem Schluss: Zeit ist wichtiger als Geld. Spannend finde ich, dass viele dies irgendwann realisieren, man aber niemanden findet, der umgekehrt vorher eine „viel Zeit“-Lebensphilosophie vertrat und plötzlich Geld als wichtigstes Gut seiner Existenz ansieht. Einige „viel Geld“-Anhänger werden nun empört schimpfen, dass man eben faul wird, sobald man weniger arbeitet, und schwache Gemüter diese Faulheit dann nicht mehr überwinden können; zum Problem der Faulheit in der Freizeit werde ich am Ende des Textes zurückkehren. Lydia Krüger schreibt in ihrem Blogpost „Zeit ist das neue Geld“, dass der bereits vorhandene Wohlstand, in den wir hineingeboren werden, und unsichere Renten sie dazu bewogen haben, Geld nicht mehr so wichtig zu nehmen, frei nach dem Motto „YOLO“, dem bedauernswert hohl klingenden Mantra meiner Generation. Zudem zitiert sie Nietzsche, der sagt: „Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.“ Zählt man zur täglich verfügbaren Zeit den Schlaf hinzu, so passt die Vierzigstundenwoche noch in unseren Rhythmus ohne uns zu versklaven. Krüger zieht aber acht Stunden für Schlaf ab und schließt: „Nietzsches Arbeitswoche wäre eine 25h-Woche.“

 

Mehr Fokus im Sechsstundentag

 

Von Nietzsches Fünfundzwanzigstundenwoche hat man bisher zwar noch nichts mitbekommen, aber der Sechsstundentag ist ein Phänomen, über das sogar hiesige Medien ab und zu vorsichtig munkeln. Es darf dabei aber nicht um das Wohlergehen von Arbeitnehmern gehen: Stattdessen ist man auf der Suche nach einer Leistungssteigerung oder einer Kostenersparnis, wobei die beiden effektiv dasselbe sind. Mit dem Sechsstundentag kassieren schwedische Unternehmen beispielsweise bereits echte Vorteile. Ihre Mitarbeiter seien fokussierter, sagen sie. Mir erscheint das nur logisch, denn nach fünf Stunden fokussierten Lernens, Denkens und Rechnens ist bei mir auch die Luft raus. Ich höre dann auf, denn ich werde ja nicht dafür bezahlt; geforderte Arbeitnehmer mit Achtstundentag verlagern ihre Aufmerksamkeit dann eben weg von Aufgaben, die echte Konzentration erfordern, und hin zu aufmerksamkeitsziehenden Medien wie dieser Plage, die sich Facebook nennt. Genau dem scheinen die Schweden erfolgreich entgegengewirkt zu haben.

 

Nur Hokuspokus mit dem Sechsstundentag?

 

Der stern jedoch hat einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der Einführung des Sechsstundentags in einem Altenheim beschäftigt. Dabei seien die Krankheitstage des betroffenen Personals kaum reduziert worden oder gar vermehrt aufgetreten. Dass Pflegepersonal weniger gestresst ist und plötzlich seltener krank wird, weil sie weniger Zeit mit ihrer wichtigen Arbeit mit Menschen verbringen, kann aber kaum jemand glauben. Nur, wenn zusätzlich genügend Personal angestellt wird, kann der Stresslevel der Angestellten effektiv gesenkt werden. Genügend bedeutet hierbei keinesfalls, dass nur der Status quo erhalten werden soll, sondern eine echte Besserung der Bedingungen durch mehr Pfleger pro Patient.
Bei OP-Personal, so stern.de, habe sich allerdings eine Verbesserung erwirken lassen: Weniger Stress führe zu weniger Kündigung, diese zu weniger Einarbeitung neuen Personals. Die gesparte Zeit und das dadurch gesparte Geld kommen dann dauerhaft den Angestellten zugute. Da dieser Vorteil in messbaren Zahlen vorliegt, kann man ihn nicht von der Hand weisen, dennoch bezeichnet der stern das Projekt Sechsstundenwoche mit seinen verschiedenen Versuchen als insgesamt gescheitert.

 

„Die Kosten wiegen schwerer als die Vorteile.“

 

Auch DIE WeLT berichtet nichts, was Hoffnung keimen ließe. „Zu teuer“, sage die Wirtschaftsagentur Bloomberg, „die Kosten wiegen schwerer als die Vorteile.“ Das lässt sich als Wirtschaftsagentur natürlich leicht so sagen, geht es ja hier um Menschen und deren Wohlergehen und nicht um Banken und Wohlstand. Dass mögliche Vorteile der Sechsstundenwoche sich nicht ausschließlich und schon gar nicht sofort in Geldbeträgen messen lassen, wird von Finanzfuzzis geflissentlich übersehen. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber doch: die schwedische Linke fordert Studien über langfristige Vorteile der Sechsstundenwoche. Ich für meinen Teil warte das nicht ab, denn ich bin überzeugt, dass mehr Zeit mehr Mehr ist als mehr Geld.

 

Der Traum vom Hippiedorf

 

Das Problem, das sich nun in unserer Gesellschaft für Leute derselben Einstellung ergibt, ist ein wenig paradox: Finanziell unabhängig kann nur werden, wer vorher über Geld verfügt. Ohne Moos: nix los. Der einzige Lösungsvorschlag, der meine Freunde und mich mit dem Leben in diesem grässlich luxuriösen und dennoch unfreien Umfeld versöhnt, ist bisher ein Traum, der Traum vom Hippiedorf. Was naiv bis unmöglich klingen mag, ist sicher zu schaffen, wenn man trotz wenig Lohnarbeit nicht faul ist. Als Ingenieure und Gärtner möglichst autark auf dem Land zu leben, möglichst ohne Luxus, den man nicht selbst schaffen kann, jedoch gelegentlich mit eingekaufter Fairtradeschokolade, ist eine Vision, die mir Trost spendet inmitten all der erfolgs- und konsumorientierten Philipps, die auch an der Uni leider zuhauf unterwegs sind. (Sie sind dabei aber so zielstrebig, dass sie auch pünktlich nach sechs Semestern Regelstudienzeit wieder weg sind.)

 

Das Gewohnheitstier Homo sapiens

 

Viele werden fragen, ob ich denn nicht auch glaube, dass mir etwas fehlen wird, später, in meinem einfachen Leben, von dem ich so gern träume. Ich denke aber, der Mensch gewöhnt sich an alles. Ich gewöhne mich daher lieber an einen, so könnten Dauerkonsumierende sagen, armen und langweiligen Lebensstil und finde Freude an relativ einfachen Dingen, als an einen teuren und extravaganten, bei dem das Gewohnheitstier Homo sapiens mehr und mehr Geld benötigt um seine vermeintlichen Bedürfnisse dauerhaft stillen zu können.

Den Bekannten, zu Beginn erwähnt, die fragen, was ich denn anstelle mit meiner Zeit, wenn ich doch kaum Geld habe, erzähle ich dann eben, was ich so tu in meiner freien Zeit, also in der, die nicht fürs Studieren drauf geht:

 

  • einen neuen Arbeitskreis in meinem Wohnheim für solidarische, ökologische Landwirtschaft gründen,
  • viel lesen,
  • raus gehen, spazieren gehen, eislaufen, Inline skaten,
  • Bücher und Kleidung aus zweiter Hand einkaufen, was spannender ist, als das H&M-Kunstsoffartikelregal zu plündern um hinterher auszusehen wie jedes beliebige Konsumopfer,
  • malen (direkt an die Wand; das spart Leinwand und sieht schick aus),
  • schreiben, und im Verlauf dessen manchmal zwei Stunden ins Internet versieben,
  • manchmal mit einer besonders guten Serie Zeit totschlagen,
  • meditieren (seit neuestem),
  • Tanzkurs, der an der Uni von Ehrenamtlichen umsonst angeboten wird.

 

Ehrenamt im studentischen Umfeld spielt dabei eine wichtige Rolle; sonst hätte ich sicher nicht die Möglichkeit, so viele tolle Sachen und vor allem Erlebnisse umsonst mitzunehmen. Ich bin dafür sehr dankbar. Denn wer gibt, der wird bekommen. Engagement ohne Bezahlung, die keine Lohnarbeit ist, nimmt einen erheblichen Teil meiner Zeit ein. So viel zur Faulheit der Arbeitslosen. 😉

 

Zum Schluss ein letzter Satz für die Realisten, die diesen Text dennoch zu Ende gelesen haben: Ich weiß durchaus, dass man Geld braucht um in unserer Gesellschaft zu überleben, auch oder gerade sozial, aber man kann mit Geld umgehen ohne ihm einen (Stellen-)Wert einzuräumen, den es nicht hat und vielleicht auch nicht unbedingt haben sollte.

 

 

Sollte dieser Text weltanschaulich halbwegs gefallen oder zumindest zum Nachdenken angeregt haben, so empfehle ich als weitere Lektüre Momo, ein Kinderbuch, das ich hier in naher Zukunft rezensieren, interpretieren und wärmstens empfehlen möchte – auch, falls noch ein Weihnachtsgeschenk für eure Liebsten fehlt – von Michael Ende, der übrigens leider tot ist und der diese Werbung, die ich hier aus reinster Überzeugung mache, wirklich nicht mehr braucht.

 

*(Ich will hier auf keinen Fall die Heroinsucht verharmlosen. Es ist mir lediglich ein Anliegen mithilfe dieser hoffentlich deutlichen Überspitzung und des Vergleichs den Unsinn des unbedachten Dauerkonsums aufzuzeigen.)