Eulen schlau, Menschen doof

Mein heutiger Müllspaziergang hat mein bisheriges Feindbild gestärkt: KSC-Fans und Fastfoodfresser. Es gibt aber auch Erfreuliches zu berichten.

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Handschuh, mit dem ich nach zwei Regentagen Müll sammelte. Seine Naht scheint zu lächeln, aber eigentlich weint er.

Draußen ist es schon wieder dunkel, kalt, neblig und grau. Ich habe den gesamten Tag der Prokrastination gewidmet, der Himmel hat den ganzen Tag geweint. Bei Regen kann ich nicht lernen. Raus gehen und Müll sammeln erst recht nicht.

Trotzdem beschreite ich die dunkle Allee, deren Saum scheinbar tote Bäume schmücken. Sie sind völlig kahl. Ich sehe trotzdem nichts, denn der Mond scheint nicht. Aber ich höre etwas: einen schrecklichen Eulenruf, gerade so, als ob ein Mensch versuchen würde, das Hu-Huu des edlen Nachtvogels zu imitieren.

Schisser, wie ich einer bin, gehe ich also langsam nur weiter und starre dabei angestrengt zwischen die Bäume ins Dickicht. „Als ob da bei dem Wetter jemand kauert, um dich zu überfallen“, denke ich mir noch und fahre zusammen: Das Eulengeräusche ist jetzt ganz nah. Ich blicke auf und sehe die Silhouette eines kleinen, aber recht dicken Käuzchens. Er ruft mir weiter zu, wir reden also ein bisschen. Ich spreche gern mit Tieren, auch wenn ich sie sicher häufig missverstehe. Ich glaube, der Kauz dankt für mein Bestreben, seine Lebensgrundlage zu erhalten. In dieser Hinsicht sind die Käuze den Menschen sicher weit voraus.

Menschen treffe ich keine auf meinem Weg. Ihre Hinterlassenschaften hingegen schon.

 

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Den Becher habe ich meiner Flurgemeinschaft gespendet. Für BurgerKing-Müll findet niemand Verwendung. Gesamtweg für diesen Sack voll Müll: 1,5 km.

Man erkennt am Wegesrand schon, dass vergangenes Wochenende ein KSC-Spiel stattfand: Bierbecher (aus dem Stadion, vermutlich 1€ Pfand) und Bierdosen (Pfand: 0,25€) lagern hier. Außerdem sehe ich auf einem Parklplatz ein gesamtes Burgerkingmenü – oder was davon übrig ist. Mich fasst hier eine Wut, die sich nicht richtig erklären lässt. Es ist eine Wut auf Leute, die ich nicht kenne und nicht kennen will: Fußballfans und Fastfoodfresser, die ihren Müll gedankenlos hinter sich werfen. Aber wie kann man schaffen, dass sie das lassen, wenn man nicht einmal mehr eine Person kennt, die sich so verhält? 

 

Das ist eine Frage, die sich elitäre Idealisten fernab der Realität häufig stellen. Habt ihr schon eine Antwort darauf? Dann schreibt sie mir in die Kommentare, ich freue mich über alles.

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Heute ist Montag, oder nicht?

Ich habe letzte Woche eine neue Rubrik, besser gesagt: überhaupt mal eine Rubrik in meinen Blog eingeführt, nämlich den Montagsmüll. Das ist eine stets montäglich angesetzte Sache, bei der ich, der Name sagt es, Müll sammle. Warum, kannst du im ersten Artikel zum Thema nachlesen. Eigentlich geht es natürlich wieder mal darum, dass Studenten zeigen müssen, was sie für Gutmenschen sind.

 

Sonntag ist, wenn ich nicht raus muss

 

 

So wie gestern. Gestern war bei mir Sonntag, und deshalb sammelte ich keinen Montagsmüll. Das ergibt nur Sinn, wenn man missachtet, dass bei euch vermutlich gestern Montag war. Ich hingegen hatte keine Vorlesung wegen Ausfall, keinen Grund aufzustehen und eben vergessen, dass das ein Montag sein sollte.

Heute war dann plötzlich Dienstag. Das bemerkte ich erneut aufgrund meines Stundenplanes (und diesmal sogar richtig!) und fühlte direkt Reue: Ich hatte den Montagsmüll bereits am ersten geplanten Sammeltermin zu sammeln versäumt. Daraufhin ließ ich mir zunächst zahllose Ausreden einfallen, die nur nichts brachten, musste ich sie ja diesmal nicht mir allein, sondern euch, die ihr diesen Blog lest, auftischen.

 

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Auf hundert Metern Wegesrand gesammelt: ein ganzer Sack Studentenstadtmüll.

So traf ich heute die Entscheidung: Nur ganz, ganz kurz gehe ich noch mal raus und suche im Dreck Dreck, der diesen Namen kaum verdient. Gesagt, getan, fand ich auf einer Strecke, die laut Google Maps – und Google weiß bekanntlich alles – gerade mal hundert Meter misst, in höchstens zehn Minuten den im Bild dargestellten Müll.
Dabei ist noch zu erwähnen, dass sich in näherer Umgebung kein Fastfoodrestaurant befindet sowie dass am Ende dieser Strecke nur Studenten wohnen, und zwar tausend Stück.

Bleibt mir nur zu sagen: Wenn die restlichen Studenten einen solch ekelhaften Umgang mit unserer Umwelt pflegen, so fällt es mir wohl nicht allzu schwer mich als Gutstudent zu fühlen. Genügend Müll, den ich entfernen kann, scheinen meine werten Mitbewohner – nicht alle, aber definitiv zu viele – durchaus zu verschleudern.

 

Montagsmüll

Schon fast ein Vierteljahr ist es nun her, dass ich diesen Blog gestartet habe. Ich habe seitdem drei Texte verfasst und gefühlt 27 weitere begonnen, von denen vermutlich niemals einer das Internet erblicken wird. Damit mein Blog nicht so traurig aussieht, werde ich eine Regelmäßigkeit einführen, und zwar montags. Der Montag ist ohnehin der ekligste Tag der Woche, da sind sich wohl alle unfreiwilligen Frühsaufsteher des Westens einig, und nun gibt es noch einen Grund mehr dafür:

 

Schlechte Nachrichten!

 

 

Möglichst jeden Montag werde ich mich ab nächster Woche eine kleine Runde nach draußen in die sogenannte Natur begeben und dort Müll sammeln. Den werde ich dann hier zeigen, vielleicht wiegen, vielleicht im Verhältnis zur Spazierzeit darstellen; so genau habe ich mir das noch nicht überlegt. Ich will den Müll auf jeden Fall korrekt entsorgen, aber nicht ungesehen bleiben bei dieser wahrhaft ritterlichen Aufgabe, die ich mir auferlegt habe. „Warum?“, fragst du?

 

„Ist dir wirklich so langweilig?“

 

 

Nee, leider nicht, sage ich. Ich denke aber, es reicht nicht, wenn wir Müll einfach vermeiden – oder zu vermeiden versuchen, wie realitätsnahe Korinthenkacker das auszudrücken wüssten.

Ich gehe täglich zu Fuß in die Uni. Mein Weg dorthin dauert je nach Zielgebäude zehn bis dreißig Minuten. In dieser Zeit sehe ich täglich so viel Müll am Wegesrand, aber teilweise auch in Wald und Wiese herumliegen, dass ich den Anblick kaum ertragen mag.

Was da draußen rumliegt, wird nicht mehr verrotten, solange wir hier sind. Wir haben schon zu viel Kunststoff in die Welt geworfen. Jetzt können wir nur noch eine verdreckte Umwelt vererben, selbst wenn wir exzessive Müllvermeidung betreiben. Also gehe ich raus, sammel ihn ein, und mache ganz, ganz vielleicht einen winzig kleinen Unterschied.

 

#wasteyourtime oder #Montagsmüll

 

 

Gerne könnt ihr einen komischen Hashtag dazu erfinden und die Sache publik machen. Wenn jeder, der sowieso aus normalem Anstand keinen Müll in die Gegend wirft, auch manchmal welchen aus der Gegend mitnimmt und entsorgt, dann ist allen geholfen. Dass wir zusätzlich trotzdem noch Müll vermeiden sollten, wo es nur geht, und nachhaltiger Konsum der Schlüssel dazu ist, sehe ich als selbstverständlich an. Gute Tipps dazu hat zum Beispiel die Schweizerin Nicole in ihrem Blog einfachnachhaltig, wo sie unter anderem beschreibt, wie man Wegwerfartikel wie Abschminktücher durch selbst gemachte Alternativen ersetzt.

Ich geh dann mal Schutzhandschuhe kaufen – vermutlich, trotzdem ich mir das Gegenteil erhoffe, in Kunststoffverpackung.